Der LntKrist oder Antichrist.
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valens cui ^ Übet Christi fidcli vtilis ac multumnecessaria." Ueber den Figuren liefet man aufeinem verschlungenen Bande: „verfchung einesmenscheir leib sei ere und gut." Diese in derPariser Bibliothek vorhandene, allen Bibliogra-phen bis dahin unbekannte, Ausgabe ist in Octav-format 6 Zoll 4 Lin. hoch und 3 Zoll 8 Lin.breit.
Von den deutschen ist eine durch den Bricf-maler Hans Sporer 1473 mit der Schlußschrift:„Hans Sporer hat oiß. puch
/.K-/V°Z» priiss-moler."
eine andere durch „Meister Ludwig ze Ulm", undeine dritte zu Cöln, wahrscheinlich in der unbe-kannten Officin, welche den „Turrecremata" lie-ferte, in zwei Colunmen gedruckt. Beide ohue An-gabe des Jahres. Der Name des Meisters Ludwigin Ulm stehet am Fuße des zwölften Blattes inder inneren Umrandung. Dieser Künstler ist ohneZweifel kein anderer als Ludwig Hohenwang indem Elchinger Thale, der sich spater in Ulm nie-derließ. Bon keinem andern xylotypischen Werkefindet man Ausgaben in anderer als in hollän-discher, deutscher und lateinischer Sprache. Eineüberaus genaue Beschreibung des Gothaischen, vonden bis jetzt bekannten Ausgaben abweichendenExemplares giebt F. Jacobs in seinen „Beitragenzur alteren Literatur", Leipzig 1835. 8. Bd. I.S. 67-73.
Noch in keinem bibliographischen Werke be-schrieben nnd vielleicht nur von einem Sotzmann,von Nagler, von Rumohr uud Laborde gesehen isteine Ausgabe dieses DruckdenkincilS in der berühm-ten I. A. G. Wcigel'schen Sammlung zu Leipzig ,welche im geistigen Ausdruck der Figuren und ankunstgerechter Handhabung des Grabstichels Allesübertrifft, was von Kunstwerken des fünfzehntenJahrhunderts bekannt ist und bei der sowol dieZeichnung der Bildtafeln als der Charakter derSchrift unverkennbar in die Gegenden des Nieder-rheins hinweisen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die fran-zösische, aus 24 Blattern bestehende Ausgabe mitdem Titel „L^rt au morier", nebst dein „Calcn-daire", das einzige bis jetzt bekannte xylographische
Druckdcnkinal der Franzosen . Die Holztafeln schei-nen nach Bruuet, Supplement I, 151. die nämlichenzu sein, deren man sich bei der lateinischen vonHci-neckcn I<16<z 399. für die zweite gebaltenen -Ausgabebedient hat. Die Vorrede beginnt „Ja soit o,ucseto» le philosophe" und endigt mit den Worten„considere dcligcntemcnt." Die Blatter sind wiebei den deutschen xylographischen Werken nur aufeiner Seite mit dem Reiber gedruckt uud haben einblasigrüueS Ansehen. Eine ziemlich ausführlicheBeschreibung liefert Bruuet am angeführten Orte,wo auch die mit beweglichen Typen gedrucktenfranzösischen und italienischen Ausgaben genanntwerden. Die -Abweichungen der verschiedenen Aus-gaben siehe bei: von Uoineclcen, I<leo ge»6l!>le (l'unr:collectiv!! cl'estampes, I^eixs. 1771. 8. p. 399-428.,
wo fünf Blatter wohlgclungcner Facsimiles dieSache erläutern, bei Heller, Geschichte der Holz-schneidekunst, Bambcrg, 1823. 8. S. 368-375. undbei Ebert, Bibl. Ler. 5io. 1251. Facsimiles einzelnermerkwürdiger Darstellungcu der ersten oder zweitenAusgabe finden sich bei Dilxlül, IZit>I. Sponc . I,xv-xxiv. und bei Hcinecken, I-Iös ^»«al« x. 402.406. 410. 414. 422.
Die zur Seite befindliche Nachbildung derersten Bildtafel ist dein Dresdener Ercmplareentnommen.
IV
Der „Entkrist", oder die im Mittelalter sosehr verbreitete uud selbst fetzt noch in katholischenLändern beliebte Legende vom „Antichrist", demvom Satan gesendeten falschen Messias, dessen Er-scheinen das nahe Ende der Welt verkündet, bestehetaus 26 Blättern in klein Folio, deren jedes nurauf einer Seite bedruckt ist. Ueber die Lehre vom„Antichrist" uud den Glauben an denselben sieheWilhelm Grimm in der Einleitung zum „Bridank"S. 71. und Corrodi, Geschichte des Chiliaömus,II, 400-444. Die neuesten Bibliographen Ebert,Dibdin nnd Sotzmann führen dieses Druckdcntmaleinzeln auf, während von Hcinecken und Panzerdasselbe mit dem nachfolgenden als ein Werkbetrachten.