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Nidlia Pauperum.
„Heilspiegel" eine auffallende Aehnlichkeit undunterscheiden sich jene hollandischen Kunsterzeug-nisse von den deutschen durch schärferen, feinerenSchnitt uud durch Eigenthümlichkeit des Costumc'sauf das Entschiedenste. Die älteste unter diesen istnach Sotzinann diejenige, welche Heinecken (läös292-306.) und Ebert (Bibl. Ler. I. 2361.)als die zweite angeben.
Die Anordnung der Bilder ist nach Hand-schriften entnommen, von denen einige sogar, wiediejenige des ehemaligen Klosters Tegernsee , derenGemälde dem geschickten Mönch Wernher, welcherzwischen 1061-1031 lebte, zugeschrieben werden,und in der königlichen Bibliothek zn Paris sogarbis ins eilfte Jahrhundert hinaufgehen. Sie sinddurch deu stehenden Charakter ausgezeichnet, daßdie Hauptdarstelluug mit ihren typischen Neben-bildern in der Mitte wie auf einein geöffnetenFlügelaltar erscheint, über und unter welchem diePropheten mit Spruchzeddeln stehen. Ein leoni-nischer Vers und ein oben und unten ange-brachter Tert, meist homiletischen Inhaltes, deutetdie Beziehung der Nebenbilder auf das Haupt-bild an.
Die mittlere Vorstellung ist stets aus dem LebenJesn, von der Verkündigung der h. Jungfrau anbis auf das Pfingstfest, entnommen. Diese Bilderfinden sich von dem ersten bis zu dem sünf unddreißigsten Blatte. Auf den übrigen fünf Blätternerblickt man die Krönung der Maria, das jüngsteGericht, die Hölle, das Paradies uud die Krönungder Seligen. Die Nebenvorstellungen rechts undlinks sind Vorbilder auf Christus und seineZeit, sämmtlich dem alten Testamente entnommen.Unter und über der Hauptvorstellung sind immerzwei Brustbilder von den verschiedenen Verfassernder biblischen Bücher angebracht. Neben der oberenist der leere Raum mit einem Bibelterte ausgefüllt,welcher die unten stehende Abbildung erklärt. JedesBlatt ist zwischen den beiden obersten Brustbildernin der Mitte mit einem Buchstaben bezeichnet, dieerste Spur der nachmals allgemein angewendetenSignaturen, nämlich Bl. 1. mit einem großen „<A",Bl. 2-20. mit „R-V" und Bl. 21-40. wiedermit „A-V." Das letztere Alphabet unterscheidet
sich dadurch, daß jeder Buchstabe zwischen zweiPunkten stehet. An den Brustbildern erblickt manSchriftzeddel, welche gleichfalls Stellen aus derBibel enthalten und allemal aus den Verfasserngenommen sind, welche das Bild darstellt. Daherkommen mehre derselben öfters vor, wie z. B.„David."
Als Testprobe mögen die Worte des erstenBlattes der ersten Ausgabe von vierzig einseitigenBlättern hier eine' Stelle finden:
„Anm war am z'ü ^ cksraw wirt empfa s chenvii wirt geb ^ re» ar'ir Kind. 2 rl."Darunter „ysanas."
„Er wirt absteigen ^ als der regen M I Diewol des schaff» ^ 2 cl."
Darunter „David."Hierauf folgen drei größere Darstellungen: Inder Mitte die Verkündigung, rechts Eva mit derSchlange im Paradiese, links mit dem Lamme .Darunter die Worte:
„Die Porten wirt ^ beschlossen vnnd s wirttnit uf getan s — Der Klar wirt mache ein news ufder erde ^ Ein weib wirt vmb s geb' a?'n man."Darunter „Ezechias" und „Jeremias."
„Man list am blich der geschö ^ pss amiz c dzgot Der Herr zu ^ der schlage Du wirst hnifürKr ^ eyse vs deiner brüst x vn dar ^ nach stetgeschbce sich dz ist die frau wirt zerKnüsten Deinhaubt vn Du schlag wirst haß trage ^ ^re füßtrittvnd die selb figu ^ ur ist erfüllt, als got drch denEngel male v'Kündet ward. — Ite am buch derNichter am vn r- ^ dz Gedcö hat gevete vö deengcl ^ gots „in zaiche des sigs In der ^ woll derschaff ze seüchte zii Des ^ ist »in sig'r marie derIückfra I we die onzerstörung rrs leibs ^ vnndder Junckfrawschafft ^ durch den hell/gen gaistgeschwengert ward."
Die sast vollständige Wiederholung der genann-ten Gegenstände im Kreuzgange des Domklosters zuBremen , von denen noch zwei Basreliefs vorhandensind, und durch Glasmalerei im Kreuzgange desberühmten Klosters Hirschau beweiset, wie beliebtdereinst dieser Bildercyklus war. — Die unbeglau-bigte Sage, daß der h. Ansgarius der Verfasserdieser als bibliographische Seltenheit so berühmten