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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Das hohe Fird oder Historia V. Marine.

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VIII

Dashohe Lied", Historia seu ?i'ovitlsntiaL. Viigiuls ZVIariae <zx Lantioo O-iMicorum, einCyklus von 32 Vorstellungen auf 16 Tafeln inklein Folio, schließt sich zunächst an dieArmen-bibel" und denHeilsspiegel " an.

Dies Product, welches die Geschichte der Jung-frau Maria aus dem hohen Liede gezogen darstellt,und welches Heineckenle plus xotliiinis 6? tousles sutros" nennt, hat keinen weitern Text, alsdie schon in der Urzeit der christlichen Kirchebeliebten Allegorien in Beziehung auf daS Ver-hältnis! desBräutigams" Christi zurBraut",d. i. der Jungfrau Maria als Sinnbild derchristlichen Kirche, die in lateinischen Versen aufSpruchzeddeln angebracht sind, welche theils dieKöpfe der Personen umgeben, theils aus ihremMunde oder auch aus ihren Handen hervor-gehen. Um einen deutlichen Begriff dieser Alle-gorien zu erlangen, vergleiche man die deutschegereimte Paraphrase ähnlicher Sprüche aus demhohen Liede aus dem fünfzehnten Jahrhundert,welche Herder in seinenLiedern der Liebe"Leipzig , 1778. 8. bekannt gemacht hat. Sie sindohne bildliche Tarstellungen und ohne jene mysti-sche Auslegung im Minncsängertone abgefaßt.-Höchst sonderbarer Weise glaubt der neueste

Forscher im Fache der Holzschneidekunst John

Jackson in seinem1'i'eatise r», no»<I K»^rilvi»k"

I^oiiäoii, 1839. gr. 8. x. SS. wahrscheinlich durchBlatt 19 (wo man die Bilder eines Papstes,Bischofs und zweier Cardinäle mit ihren Wappen-schildern erblickt) verleitet, es mit den Streitigkeitenzwischen Papst Eugen IV. und dem Concilium zuBasel 1439 in Zusammenhang bringen zu können,welches Amadcus von Savoycn, Felix V. , nlöGegenpapst erwählte.

Von den drei bis jetzt bekannten Ausgaben istdie erste und schönste holländischen oder nieder-deutschen Ursprungs und hat den Titel:Dit ,sdie voersicnicheit (Fürsicht) Marie der mod'.godes En is gehete in lath Ciiti (iul^u» L»»«.!««).Mccrman, c-.^>. IX. §. 5. p. 228 ff. schreibt die-selben den späteren Versuchen der Koster'schen Pressezu und sucht seine Behauptung unter andern aufdie von dem deutschen Ductus gäuzlich verschiedenenBnchstabencharaktcre zu stützen. Der Vollständigkeilwegen und zur eigenen Beurtheilung der Leser magdas von Meermann Taf. VIII. entlehnte Facsi-mile dieses in jeder Hinsicht wichtigen Drnckrenl-maleS, welches obwol unvollständig, statt 16 nur9 Blätter, noch heut zu Tage im Rathhause zuHarlem als kostbare Reliquie aufbewahrt wird,hier eine Stelle finden.

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Sechs ans dem ersten Bilde mit landwirth-schastlichen Arbeiten beschäftigte Mönche geben derVermuthung Raum, daß die erste Idee dieser Dar-stellungen, sowie derjenigen in der Armenbibel, auseiuem Minoriten - oder Franziskanerkloster hervor-gegangen sei. Da dies Werk zn den rohesten, aberauch seltensten Tafeldrucken gehört und nur noch insehr wenigen Eremplaren vorhanden ist, so dürfteeine genaue Angabe der Vorstellungen uach demSpenccr'schen Cremplare hier nicht am unrechtenOrte sein.-

1. Links: Eine Gruppe von vier Personen:die gekrönte Braut (Maria) mit einer Glorieum das Haupt, an der Seite des Bräutigams(Christus) mit dem Nimbus, hinter ihnen zweiJungfrauen. Das Spruchbaud der Maria lautetnach dem ersten Vers des ersten Capitels imHohen Liede:Vseuletur me osculo oris suiq'a (cniia) mcliorcr sunt über« tu>l vino." ImMailänder Ercmplare soll stehen:osculetur mcosculo oris sui quia mcliora sunt über« tu«viro." Dasjenige des Heilandes:Vcnr in ortü