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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Ilesensorium inviolatae

virginitatis t>. <Mariae.

Ausgaben eristiren: die schon erwähnte holländischeund zwei lateinische; denn in München werden dreiEremplare dieses Werkes in lateinischer Spracheaufbewahrt, welche nicht nur von dem so ebenbeschriebenen Spcncer'schen Eremplare bedeutendabweichen, sondern auch unter sich nicht ganz über-einstimmen. Der Druck Xylogr. 31. hat z. B. aufBlatt 8. (Adler und Braut) rechts auf dem Feldezwei Bäume, während der Druck Xylogr. 32. u. 33.in Blatt 10. am gleichen Orte drei Bäume zeigt;ferner auf Blatt 10. einen Widder und zwei Schafe,Xylogr. 32. u. 33. aber einen Bock und drei Schafe;Blatt 14. zeigt oben 14 Rosen und unten 16 Rosen,die beiden andern Drncke haben oben 13 undunten 17 Rosen. Nachbildungen einzelner Blätteraus zwei verschiedenen Ausgaben findet man bei

lleinecksn, lilös generals 6'uns collectiou 6'ostsm-pes, p. 374 s<i<z., bei Ottlsv, sn i»<zu!rv into tl>eorigln im<l earlv bistoi-v o5 IZngraving upon coppersnä >voo<l, I>c»,<Ion, 1816. 4. 1'om. 1.x. 147., beiDiblli», Liblivtlioca Lxeneerians I, xxxix-xi.il.und bei ^aclcson, a troatisll on >Voo6 IZngrsvinA,l.on6oii, 1839. gr. 8. x>. 89. 90. Was dietechnische Ausführung betrifft, so können wirv. Heinecken's Meinung nicht theilen, der dies

Werk I« plus gotbi^ue «I<z tous les autres ^ nennt,

wenn er anders unter dem Wortegothisch" soviel alsroh" verstanden hat. Im Gegentheiledürften die bildlichen Darstellungen in Hinsicht derKomposition und der Zeichnung den meisten sogarvorzuziehen sein.

Beifolgendes Faestmile der unteren Tafel derersten Ausgabe nach Lord Spencer's Eremplar magmeine Behauptung rechtfertigen.

IX

DieVertheidigung der unbeflecktenEmpfängniß Christi durch die h. Jung-frau Maria", veleiisoriiim inviolatae Vlrxini-

tatis b. Älai-iae Vli-xi»!«. Dieses lateinische Werkdes DominikanermönchsFranciscus de Retza",von einer Stadt Niederöstreichs so genannt, der zuEnde des vierzehnten und zu Anfange des fünf-zehnten Jahrhunderts in Wien lebte, hat nicht zum

Zwecke, wie man gemeint hat, die Mutter Gottesals selbst rein und nicht in Sünden geboren darzu-stellen, sondern ist eine durch naturgeschichtliche undmythische d. h. aus der Geschichte des Heidenthumsentlehnte Beispiele motivirte Beweisführung, daß sieohne Verletzung ihrer Jungfräulichkeit den Heilandder Welt habe empfangen und gebären können.

Auf dem fünf und zwanzigsten Blatte heißt es:Viele Thiere werden ohne vorherige Begattung derErzeuger geboren. So können manche Vögel ohneMännchen Junge ausbrüten und wie die jungenBienen ohne Vater in dem Leibe ihrer Mntterwachsen, so ist nach der Meinung der Philosophenvielen Gattungen von Fischen eine gleiche Eigen-schaft verliehen. Da dieses xylographische Pro-duct, von welchem drei Ausgaben eristiren, zuden größten Seltenheiten des Schrift- und Bild-holzdrncks gehört, so dürfte eine kurze Beschreibungnach dem bis auf Jacobs und Sotzmann allen Bi-bliographen unbekannt gebliebenen Gothaer Erem-plare hier nicht am unrechten Orte sein.

Das Werk fängt ohne Titel an, beginnt miteiner von der Panzer'schen O-uartansgabe ganz ver-schiedenen Vorrede iu den Worten:Magmirumrerum profunditas quamvis solius et superintcl-lcctualis lucis irradicicione sit rimandir Mlarimecum non uniccim sed gcminam parcat difficultatemTum mens x scnsilnlium collacioncm ad hancerhauriendam stuoet manuduci . Tür eam iuuStet provehunt planiora scnsilnlium symbolaquerlariores faciunt rcpresentaciones in imtura qui-dem abdita. aliquibus tamcn comxta etiam vossi-bilia fieri dcmonstrant que nubilosis hominü me»tivus imvossibilia videbötur", und zeigt auf

Tafel 1. (/^): Ein Einhorn, das einersitzendenJungfrau auf den Schooß springt, mit der In-schrift:Ninoceron si viro,ini sc inclinare valet,cur verbum patris celici virgo non generaret."in einiger Entfernung: zwei nackte Kinder, zwischendenen eine Frau sitzt, öffnen an zwei Thüren dieSchlösser:Si tactus mor nati scras apperirevalet. cur mater verbi nati Virgo non generaret."

Tafel II. (I): Ein Schiff wird gegen einenMagnclfelsen getrieben:Si magnes carnem ho-miiiis ad se trahere valet. eur vi divini numinis