Druckschrift 
Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen
 
  

Dr. Hartlieb's Chiromantie.

M

Dieses höchst seltene Werk bestehet aus dreiLagen mit der Signatur a b e, von denen einejede vier große oder acht kleine Blätter enthalt,also im Ganzen aus vier und zwanzig auf beidenSeiten mittelst der Presse bedruckten Blättern inklein Octavformatz die Rückseiten des ersten undletzten Blattes sind weiß geblieben. Die Stirnseitedes ersten Blattes enthält einen Holzschnitt aus ver-schiedenen Zierathen von Blumen u. s. w., darüberdie Worte:

Die Kunst Ciromantia."

Auf der Rückseite des zweiten Blattes liefet maneine Nachricht von der Abfassung des Buches insieben Zeilen, welche anhebt:DAs nachgeschribenbuch von der hannd hatt zu ^ teutsch gemachtDoctor Hartlieb durch bett vnd Hai s sung derdurchleichtigen hochgebornen sursty» Frow ^ Annageboren von vraunschweigg gemachcl dem tuget ^reichen hochgelopten surften hertzog Albrech hert-zog czu baire s und graff zu voburg das istgeschehen am Freitag nach ^ ycevcionis mariaVirginis gloriosis (sie) /AAA (1448)",darunter eine andere Nachricht:ltem so wiß dasdu wirst finden vnd vndericht werden zwaierlanhend von mannen vnd von weibe» von erst so habFleiß aufs die gerechten hannd da vindestu dieaigeschast der mannen. Darnach hab acht aussdiegelincken hannd so sichestu der srawcn gemiet nachaller ordnüg auch sol dir das lescu nichtz wann dunicht acht hanst aus die lini derselben hannd."wieder in sieben Zeilen und unter dieser ein Holz-schnitt, wie Hartlieb der Gemahlin seines Herrnknieend das Buch überreichet. Sowohl über demAutor als über der Prinzessin Anna ist ?er Namedieser Personen eingegraben. Der Tert selbst be-ginnt auf der dritten Seite, den Titel nicht mit-gerechnet:Man dich die lini des lebcns zwi-sche» dem da s vnd dem zaiger groß ist" sto.Ueberall sind Abbildungen von Händen mit chiro-mantischcn Linien in denselben verwebt. DenSchluß macht eine Bildtafel, auf welcher verschie-dene Ereignisse des Lebens, je nachdem die Liniender Hand dieselben angedeutet hatten, dargestelltsind. Sie beginnen mit einem Erhenkten und endi-gen mit einem Andern, auf welchen der himmlische

Vater Gold regnen läßt. Auf dem letzten Blatteunter der Linie, mit welcher alle Blätter eingefaßtsind, nennt sich der Formschncider:jo'rg schavsfzu Augsburg ", nicht aber, wie Ebert im biblio-graphischen Lerikon No. 9509. irrthümlich angiebt,irog scapfs." Den Schluß bildet ein Holzschnittmit der gleichen Inschrift, wie auf dem erstenBlatte, ausgenommen daß Cnromantia" stattCiromantia" zu lesen ist, welchen Unterschieddas nebenstehende Facsimile unS deutlich vor dieAugen führt.

Die Jahrzähl 1448 bezeichnet weit wahrschein-licher den Zeitpunkt, in welchem das Werk verfaßt,oder übersetzt, als worin es gedruckt ist. Daraufdeuten sowol die Signaturen, die man bei Büchernvon so hohem Alter nicht antrifft nnd der Druck inder Presse statt mittelst des Reibers.

Man kennt nach Ebert Ko. 9309. bis jetztdrei vollständige und drei mangelhaste Eremplarc.Seiirer Angabe am gleichen Orte znfolge kaufteLord Spencer das ehemalige Exemplar der k. k.Hosbibliothek zu Wien, welches während der fran-zösischen Invasion abhanden gekommen war, fürdie Summe von 100 Guincen. Diese Angabe istentweder salsch, oder die k. k. Hofbibliothck besaßehedem zwei Eremplare; denn noch gegenwärtiggehört Hartlieb's Werk zu den wichtigsten Schätzender berühmten Wiener Büchersammlung. Dieübrigen sind zu München, Wolfenbüttcl, Mem-mingen, Wien und Paris . Nachrichten darüberfindet man, in Uffenbach's Reisen, I, 309.; inv. Murr's Journal II, 108.; v. Heinccken's Nach-richten, Seite 1 u. folg.; in dessenI6es gen6r-»Iscollection <l'est!lmi>es", p. 469.; in Panzer's deutschen Annalen, Seite 5.; in v. Aretin's Bei-trägen, V, 173.; in bansen, <Is l'l>r!g!nlZ 6o lagravui-s on bois I, 115.; Oilxlm, Vecam. I,143-147. Facsimiles gaben Ileineclcen, I<l6sxenerals 480. und Oibillii, Oecameron, I, 144,145 und 147.

Die zur Seite befindliche Nachbildung nach demOriginalblatte, welches Herr Otto August Schulzin Leipzig in seiner reichen bibliographischen Samm-lung bewahrt, giebt eine genaue Vorstellung desBild - und Schriftcharaktcrs dieses Werkes.

-