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Die Legende vom h. Mleinrad.
XII
Die „Legende vom h. Meinrad." Esenthält dies Werk, von welchem das einzige bisjetzt bekannte Exemplar in der Hofbibliothck zuMünchen vorhanden ist, 48 xylographische Blätterin Octavo. Die Bilder 1 bis 29 stellen die Lebcns-begebcnheitcn des Heiligen dar, Figur 30 aberdessen Tod durch die zwei Mörder Peter undRichard, die übrigen Holzschnitte vergegenwärtigendie Verfolgung und Bestrafung der Schuldigen.Das letzte Bild nebst Text giebt die Geschichte desh. Meinrad nach dessen Wiederaufcrstehung, woder Heilige mit einer Keule in der Hand erscheint,begleitet von der h. Jungfrau Maria mit demJesuskindlein und umgeben mit einer Glorie, inder man zwei Naben erblickt.
Blatt 1". (zwar sichtlich falsch eingeheftet solltean der Stelle von Blatt 4 stehen!) beginnt mitden Worten i „Dis ist der erst aneuaiig alsuns' liebe frowe rappcll zu de einsidle von sautKleinrat selbs bnwe wart mit sine heilige hendevn hics zu denne zite ,'n dem vinstern waldman nieniii da grsesse noch woned was vn" etc.(15 Zeilen Text, einfach eingefaßt, die Rückseiteebenso). Der Tert des Ganzen würde demnachmit Blatt 4 anfangen: „Dis ist wie grasf li'chtoldvö snlgcn ^ got vö himel bat vmb ein frucht dz ^er nit an lib erben stürbe vn darus j wolt er eingeistlich mesch mache j."
Blatt 2«. (ist vom Buchbinder falsch eingeheftetund sollte 20 sei») „Hie lit sät meinrat tot vn singevntt' ^ de' ziin'inä hat si'n wib v» sin nnchbu ^ rezu d' lich gesent vn er ist de mordcrn nachgeuolgtgen zurich ^." Gewissermaßen als Anhang, wiez. B. die „fünfzehn Zeichen" zu dem „Entkrist"zu diesem Werke, welches den gläubigen Pilgernim Kloster Eiusicdeln (Canton Schwytz) nächstJerusalem , Loretto und San-Jago di Compostclladem berühmtesten Wallfahrtsorte der Christenheitznm Andenken verkauft wurde, kaun die „Engel-weihe" betrachtet werden, deren Fest in Einsiedeln noch heut zu Tage gefeiert wird. Auf der 48. Seiteliefet man: „Kic Kompt sant cunrat bischoffzu ^Costetz vn and' selig tut mit im ge ^ rom fnrde bapst leo umb gnad vn j ze bestctige die
engelwi'he" etc. Von Blatt 26«. an der Besta-tignngsbrief (in kleinerer Schrift, 18 Zeilen):„Wir leo ein bapst vnd ein Knecht aller ^ gottesKnecht Es znnet wol bapst- ^ licher surstlichkcitwir selig hofftet sint."
Blatt 31^. stellt den h. Meinrad vor derh. Jnugfrau Maria dar.
Blatt 32«. „GEgrujset siest du hochgrloptevnd groß j geachtete in dem götlichen hertzenvn ^ in allen vsscrwelten gottes Fründen du gc- ^scgnotc maria ein tochter des ewige vat-^ters" etc.Das Ganze ist ebenso sonderbar als roh ausgeführt.
Dibdin giebt in seinem Libliograpliical, ant!<jUi>risnsntl pictueescme ?oiir etc. Vol. III. IZ. 286. zwei
dieser Blätter in einem guten Facsimile. Daruntersolgeude Texte:
„Hie fiirt man die mord< vö danne vn wilschleiffe vn rcdern die rappen volget alle zithin nach vn stechet sn."und:
„Hie redert man peter vnd richart lit vff demrad vn die rappen bisset si allzit vntz daz sisterblt."
Das erste dieser Blätter befindet sich in getreuerAbbildung auf der Nebenseite.
Mit diesem Druckdenkmale hangt einer derältesten uud berühmtesten Kupferstiche von demunbekannten Meister mit dem Monogramm E Sund der Jahrzahl 1466 innig zusammen. Es istdie „Engelweihe zu Einsiedeln" (Bartsch Nr. 35.)mit der Inschrift:
Das in Rede stehende Blatt ist wahrscheinlichvon einem Schweizerkünstler zum Andenken an einePilgerfahrt nach dem Kloster Einsiedcln im CantonSchwytz, jenem nächst Rom und St. Jacob inCompostella berühmtesten aller Wallfahrtsorte,gestochen, dessen Fest, die Engelwcihe, im 1.1466gefeiert wurde, wie dies jedesmal zu geschehenpflegt, wenn Kreuzcserhohung anf einen Sonntagfällt. Vor der h. Jungfrau knieen Mann undFran in Pilgertracht; wahrscheinlich der Künstlerund seine Gattin. Eine zweite Vorstellung in klei-nerem Formate, wo die beiden Pilger und andereNebenfiguren weggelassen, läßt vermuthen, daß die