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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
Seite
41
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Die acht Schalkheiten.

Symliolum apostolieum.

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Stiftsherren diese zweite Platte bestellt hatten, umAbdrücke davon an fromme Pilger zu verschenken,so wie sie auch die oben erwähnte Legende desh. Meinrad, des Gründers der dortigen Kirche, zngleichem Zwecke hatten in Holz schneiden lassen.

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Dieacht Schalkheiten." Dieses allenBibliographen und Kunstkennern unbekannte xylo-graphische Werkchcn bestehet aus acht Blattern von6 Zoll Höhe und 4 Zoll 3 Lin. Breite, deren jedessowol eine bildliche Darstellung, als einen auf dieFiguren Bezug habenden Tert von mehreren Zeilenund zwar in fortlaufenden oberdeutschen Reimen»insaßt. Der Inhalt ist die im spateren Mittel-alter so allgemein beliebte allegorische Satyre undin der Denk- und AnsdrnckSweise demNarren-schiff" verwandt. Die Reihenfolge der Darstel-lungen ist: 1. der Unterhändler, 2. der Lügner,3. der Betrüger, 4. der falsche Goldschmied, 5. derbetrügerische Kaufmann, 6. der Kirchendieb, 7. derbetrügerische Seiler, 8. der Eisen für Stahl ver-kaufende Grobschmied.

Der auf jedem Blatte über dem Bilde fort-laufende Reimtcrt füllt bei der ersten bis vierten,sechsten und siebenten Tafel vier Zeilen, auf demfünften und achten Blatte aber fünf Zeilen. Dienicht ohne künstlerischen Werth in bloßen Umrissenohne alle Schraffirung gefertigten Holzschnitte sindmit dem Reiber in lichtbranner sepia - ähnlicherWasserfarbe gedruckt, aber nicht, wie so vieleWerke dieser Art, mit dem Rücken zusammengeklebt.

Das einzige bis jetzt aus dem Staube einersüddeutschen Klosterbibliothek ans Licht gezogeneEremplar ist in dem Besitze des kenntnißreichenBuchhändlers T. O. Weigel in Leipzig , welchernach kaum gemachter Erwerbung mit edler Un-cigennützigkeit mir die gegenwärtige Mittheilungmit den Worten machte:Mir ist kein einzigesxylographisches Werk mit Tert im hochdeutschenDialekt bekannt, und da dieses Werkchcn sowol imSchnitt, Papier, brauner Druckfarbe, als im Alterder Sprache und dem ganzen TypnS sein hohesAlter zeigt, erscheint es um so interessanter, als

eS Deutschlands Ansprüche an die früheste Ans-führung der Holzschneidekunst bestätigt und unsereBlicke vom Niederrheine zur Wiege dieser Kunst,nach Schwaben , Baiern und Franken hinlenkt."

Die vorstehende Nachbildung ist von dem erstenBlatte der Reihenfolge genommen und giebt einenBegriff von der sprachlichen und technischen Aus-führung des Ganzen. Das Papier ist weiß nndkörnig und hat als Wasserzeichen den Ochsenkopfmit der Lilie auf der Stange.

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Das ,, 8^mboluin ^.pvstvülium" »derdas Apostolische GlaubenSbekeuutniß"mit beigefügtem Terte der Glaubensartikel (Oe<I<>).Dieses xylographische Werk bestehet aus siebenBlättern in kl. 4., die nur auf einer Seite mitdem Reiber gedruckt und aneinander geleimt sind.Das Ganze ist dnrch zwölf Holzschnitte geziert undhat keinen andern Tert als zwei bis drei ZeilenErläuterungen, welche sich uuter den Bildern be-finden, z. B.:

Blatt 4. b. unter der Vorstellung Gott Vaters imAugenblicke der Schöpfung: Egosum Alfha K V." Unten:(I)r wert all anrvfsende ^ vaterder himel vnd ^ erd gemacht hat.^(I)ch gel»vl> in got vater! al-mcchdig schrffver j himel vnd dererden."

Blatt S. a. Christi Taufe. Oben:Hie est fi-lins nie-) dilect^." Unten:(D)crHerr hat gesprochen" n. s. w.t>. Christi Geburt, darüber die Verkün-digung: ,,'Uemvt war ein ivckfrawirt swangcr" u. s. w.Blatt 6. n. Kreuzigung, darunter Grablegung:Nach sichenciz tagen."t>. Auferstehung, unten Höllenfahrt:O tod ich wirtt den tod."Blatt 7. ». Himmelfahrt:Lr pauct sein auff-gancit in den himel."b. Jüngstes Gericht:An de gerichtge mir zv euch."

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