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Der Peichtspiegel.
Blatt 8. a. Pfingstsest: „Ich wird avz gießen
von meinem gaist."b. Papst, oben Christus: „Sn !>' de
all nu riibe de i»nnen dez Herrn."Blatt 9. Kirche: „Per her wird hin dmi all
nnser missctad Al'laz der funden."d. Auferstehung der Todten: „Ich wird
mein oolk fieren auz de grebrn
Vrstend dez flcisc."Blatt 10. ->. Der Hinunel im Kreise: „Sn wer-
den all leben" u. s. w.Ans dem Blatte, welches die Auferstehungdarstellt, sind die durch die Nnndform des Bildesentstehenden vier Ecken des Blattes durch Engel,welche die Posaune blasen, ausgefüllt. Die beidenuntersten derselben sind durch thurmähnliche Nah-men, in denen man zwei Halbfigurcu, „Zachnryaz"und „Judas ", erblickt, gleichsam durchschuitten;doch scheint der Künstler ein Versehen begangenzu haben, indem unter der Figur, welche durchdie rückwärts gebogene Haltung, mit der rech-ten Hand wie beschämt die Augen verbergend,unzweifelhaft Judas darstellen soll, das Wort„Zilcharnaz" zu lesen ist und unter dem miteinem Heiligenschein umgebenen Manne „Judas "stehet.
Ein Facsimile dieses Holzschnittes giebt Dibdinin seinem Uibüoxr. anticz. snct pict. I'onr etc.Vol. III. p. 284. Das einzige bis jetzt bekannteExemplar, welches aus dem ehemaligen KlosterTegernsce stammt, besitzt die Hof- und Staatsbi-bliothek zu München . Nebenstehende Nachbildungdes neunte» Blattes, welches die Auferstehung derTodten darstellt, giebt einen deutlichen Begriff vondem Charakter des ganzen Werkes.
XV
Der „Beichtspiegel" oder „lüonkessio-nkle." Eine Anleitung, sich nach Maßgabe derzehn Gebote zu der Beichte gehörig vorzubereiten.Das Ganze bestehet aus acht Blattern in kl. 4.,welche weder Signaturen, noch Eustoden, nochSeitenzahlen haben. Name des Versassers, Titel,Druckort, Drucker und Jahrzahl fehlen auch hier,
wie bei fast allen ahnlichen Werken. Als Unter-scheiduugszeicheu ist mir der Punkt und - vorhan-den. Auf der ersten Seite befindet sich ein Holz-schnitt, welcher einen IZcce Iwmo mit aufgehobenenHanden, blos im Umrisse, darstellt. Fast alleStriche sind von gleicher Starke, zuweilen gegeneine Linie breit. Der Heiland tragt die Dornen-krone auf dem Haupte, welches ein aus zwei Kreisengebildeter Heiligenschein mit einem Kreuze umgiebt,das in der Mitte schwarz gehalten ist. Hinterihm hangt mittelst Ringen und Stricken an einerStange ein mit Blumcuarabesken und Franzen ver-zierter Vorhang, dessen Gruud weiß, die Zeichnungdarauf aber durch 1 bis 2 Linien breite schwarzeStriche gebildet ist. Er stehet auf einem mitkleinen Quadraten ausgelegten Fußboden, welcherschon einigermaßen, obwol noch unrichtig, per-spektivisch nach dem Augenpunkte laufend ist. DieHöhe betragt mit dem Einfassungssiriche 5 Zoll,die Breite 3 Zoll 8 Lin. Das nämliche Bild istauf der cilftcn Seite noch einmal abgedruckt. Daszweite Bild auf der vierten Seite stellt den Heilandebenfalls stehend mit aufgehobenen Händen und denfünf Wunden dar, nur mit dem Unterschiede, daßdie Brustwunde hier auf der rechtem Seite ist. DieDorueukrone siehet mehr einem gewundenen Strickeähnlich und in dem Nimbus ist die zweite nachinnen laufende Linie gezackt. Oberhalb seiner lin-ken Hand erscheint Gott Vater mit den Gesetztafelnin dei: Händen, rechts der h. Geist in Gestalt einerTanbe (mit Heiligenschein). Unten knieet linksMoses, rechts ein Mann und eine Frau in beten-der Stellung; alle Figuren blos in Umrissen ge-zeichnet, nur die Schuhe des MoseS und kuieeudenMannes sind schwarz. Die zweite Seite ist leer.Aus der dritten fangt der Tert mit folgenden Wor-ten an: „Ich armer sündiger Mensch bekennemich gölte myne hcrre."
Der Tert nimmt zwölf Seiten ein, woraufnoch einmal das erste Lccs Komo-Bild folgt.Sechs Tertblätter (3, 6, 7, 8, 9, 12) entHallen20 Zeilen; die 13te 21, die 5te 19, die lote 10, die14te 17, die löte 10 und die I6te 9 Zeilen. DieSchrift gleicht derjenigen, welche Albrecht Dürer die alte nicht mehr gebräuchliche Tcrtur nennt.