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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
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Per Todtcntanz.

47.

eben so wie die technische Ausführung ans einenwenig geübten Künstler. Die Druckfarbe ist mehrgrau als schwarz, wie bei den meisten xylographi-schen Denkmalern. In dein Münchener Eremplareist aus der ersten Tafel der Papst sitzend mit einemBnche in der Linken und einem Stäbe in derRechten abgebildet, neben ihm sitzt der Tod aufeiner Sackpfeife blasend. Das 23. Bild stellt einKind in der Wiege vor, welches, indem der Todsich ihm nähert, beide Hände ausstreckt. In demHeidelberger Eremplare hingegen ergreift der ineinen Mantel gehüllte Tod, die Kapuze über denSchädel gezogen, das volle blühende Kind mitseiner Rechten und führt es hinweg, wie das znrSeite befindliche Facsimile anzeigt.

Im Münchener Eremplare spricht der Tod:Kreuch her, du mußt.je tanzen lernW»in oder lach, ich hör dich gern,Hättest du den dutten in dem mundEs huls dich nit an dieser stund,das Kind:

<O ive liebe mutier mein,Ein swarzcr man zeucht mich dahin,Wie wilt du mich also vertan,Nun mus? ich tanzen, und Kann nicht gan."In dein Münchener Eremplare sind von deneinzelnen viel roherenTodtentanzblättern" dieAnreden und Antworten abgeschnitten, die Bilderaber, von denen ein jedes umrandet ist, je zweiund zwei ans ein Folioblatt auf- und dicht untereinander geklebt und zwar stets auf der Kehrseitedieser Blatter, deren Norderseite einen handschrift-lichen Tert dazu enthält und zwar den nämlichenTert, welchen vier andere Münchener Handschrif-ten, das interessante xylographische Druckdenkmalund ein Manuscript in Heidelberg , sowie die beidenBaseler Todtentänze u. s. w. enthalten.

Die Reihe der zum Tanze aufgeführten Perso-nen ist folgende, wobei die Orthographie nach demMünchener Originale beobachtet ist:Kabst,Ehaiser, Kanscrin, EhiinigK, Cardinal, Pa-triarch, Erczpischoss, herczog, Pischolf, Vrass,Ablit, Nittcr, Jurist, Korhcr', Arczte, Edel-man, cdclwcid, Chlostersraw, Kaufinan, Ehoch,petlär, panier, das Ehind, Klueter."

Als Probe des Tcrtes möge die erste erklärendeStrophe hier eine Stelle finden. Der Tod sprichtans dem ersten Bilde znm Papste:

Her liolnlt merkt vsf meyner pawkcn don.Ir füllet darnach fpri»a,cn schan.Ir dorfet Keims dyspensiren.Der tod mit euch den tanz hofyrcn."

In innigem Zusammenhange mit dem Werkedes Todtcntanzcö" sind die auf dcu Juseiteu derBuchdeckel eines deutschen MannscriptS desTodteu-tanzeS" (aus der Mitte des 15. Jahrhunderts) zuMünchen ansgefnndencn Holzschnittbilder, welcheje zwei und zwei auf einem Blatte den Tod dar-stellen, wie er zu Papst, Kaiser , König, Her-zog u. s. w. predigt. Freund Hain ist zwar mitFleisch nnd MnSkcln, aber mit einem Todtenkopfdargestellt und stets mit einer Schlange umwnndcn,welche das Schlachtopfcr anzischt. Anf dein erstenBilde bläset er den Dudelsack vor dem Papste undpredigt Kaisern, Königen nnd Fürsten; anf demzweiten ergreift er ein Kind in der Wiege undentführt eine Nonne. Das letzte Blatt zeigt eineFigur auf einem Lehrstuhle nach vorn gebeugt!uuter sich zwei und zwanzig Todtenschädcl, aufeinigen derselben die Jnsignicn der Papst-, Kaiser-,Herzogs - und Bischofswürde.

Ein Facsimile derjenigen zwei Blätter, aufdeucu der Tod, von der Schlange umwunden, sichzn dem in der Wiege liegenden Kinde niederbeu-gend nnd eine Nonne entführend dargestellt ist, hatDibdin in seiner IjiblioLl'. anti^. ^>!ct. I'ourIII, 279. gegeben; ein anderes befindet sich imc»talogu<z <le la Lililiotliö^ue 6e >Ir. I,et>er, ?sri«1S39. I. x. 209. Wie sehr aber gerade indieser Darstellung das Münchener Eremplar vondem Heidelberger abweiche, mag nachfolgendesFacsimile beweisen, dessen Mittheilung wir derGüte des Herrn Geh. Ober-Finanzraths Sotzmannin Berlin zu danken haben. Oben liefet man denSpruch des Todes, unten den des Kindes.

Die Idee des Todtentanzes ist uralt und ver-liert sich in die frühesten Jahrhundertc des deut-schen Mittelalters. Schon imVridank" kommtVers 252. eine Anspielung darauf vor, woes heißt:Gott habe wohlgethan, als er dem