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Menschen verbot, seinen Tod vorher zu wissen;denn wäre dies der Fall, so würde der Tanz mireine kleine Schaar gewinnen." Der Originaltextlautet nach Wilhelm Grimm's Ausgabe, Seite 175.-„E>ot tct wol daz er verbotdaz nieman wciz sin selbes tot:wistcn in die liutc garder tanz gewüiine Kleine schar."Bekanntlich wurde jenes altdeutsche Spruchgedichtvor dem Jahre 1250 geschrieben.
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Die „Fabel vom kranken Löwen."Dieses noch fast ganz unbekannte Werk bestehetaus zwölf Blattern in Folio, aus beiden Seitenbeschrieben oder bedruckt, mit neun Holzschnittenvon ganzer Blattgröße, ohne Titel. Diese neunxylographischen Bilder sind Darstellungen ans demFabclkrcise dcS Neinecke Fuchs. Der Text selbst isttheils auf den leeren Seiten der Holzdrucke, theilsauf eingelegte» Blattern geschrieben und ebenfallsin neun Abschnitte oder Materien getheilt. Erfindet sich abgedruckt in Jakob Grimm's „ ReinhartFnchS", Berlin , Reimer, 1834. S. Seite 332-342.BloS der dritte Holzschnitt, kleiner als die übrigen,hat rechts daneben 16 Zeilen xylographischen Textmit der Klage des WolfeS . Die Spruchzeddel inden Bildtafeln haben deutsche Inschriften. Daseinzige bis jetzt bekannte Exemplar dieses Holztafcl-drnckeS besitzt die Heidelberger Bibliothek, wo es demPergament-Miöccllancoder eeoexxxvlll. ansdem fünfzehnten Jahrhundert, von Blatt 151-163.bcigebnndcn ist.
Der Text dieser Handschrift, in oberdeutscherMundart, weicht, was die Rechtschreibung betrifft,von dem Grimm'schen sehr ab, dessen Sprachsormsich mehr dein niederdeutschen nähert. In demHeidelberger Codex cexei. liefet man Blatt 100».-„ Ei» leb in einer scuchen lag
Vnd hat gelegen manigcn tag
Des ruefft er für sich unld
Die tycr aus dem Wald."Da von diesem seltenen Drnckdenkmale noch inkeinem bibliographischen Werke eine Abbildung
vorhanden ist, so dürste das nachstehende Facsimilehier nicht unwillkommen sein, um wenigstens eineIdee vou dem Charakter des Ganzen zu geben. —Der im Bette liegende Thicrkönig spricht:
„Ir scckt ich bau rzu molc sich (siech)
Dorume bete ich euch flelSitlich
Alczumolc rzu desir stüt
Wy ich möge werde gcsuut."Der Wolf antwortet:
„Wir müßen gehen in cnne rot
Solle wir euch helfen aws der not."
XVIII
DaS „gcist- und weltliche Rom ."Ein Legcndenbuch zum Gebrauche der deutschennach Rom wallenden Pilger verfaßt, 92 Blattervon kleincrem Formate als die übrigen xylogra-phischen Denkmäler, von beiden Seiten des Papiersmit der Presse gedruckt. Die Höhe betragt nichtmehr als 5 Zoll und 5 Lin., die Breite 4 Zoll.
Auf der Rückseite des ersten Blattes erblicktman einen Geistlichen mit der Tonsur, der dasSchweißtuch der h. Vcronica vor sich halt; uebenihm zwei Knaben mit brennenden Kerzen; im Vor-dergrunde ein Haufe gen Himmel blickenden Volkes.Der Tert beginnt mit den Worten: „Item in dempuechlein steht geschrieben wie ^ Rom gcpauetward und l>ö dem erste s Kunig und vo uclichcinKunig zu Nome ^ wie sie geregicrrt haben. Vnddas auch die romcr ^ Kanne Kunig mere wollenhaben vnd salzten aus in haublcut und biirger-maistcr lange Zeit" etc. (20 Zeilen).
Der zweite Holzschnitt zeiget rechts eine Burgauf einer Höhe, links stehet ein kleiner Tempel,unter dem eine gekrönte Person (wahrscheinlichRhca Sylvia) betet; im Vvrgrunde die Wölfinmit den saugenden Zwillingen. Die Profange-schichte fangt auf dem dritten Blatte an, welchesdurch eine längs dem Rande hinlaufende Blnmcn-arabcske und drei Wappenschilde geziert ist; inder Mitte die gekreuzten Schlüssel mit der drei-fachen Krone, rechts der doppelte Adler, darüber:/^//^/v/f/ (Imperium), links ein Schild mitU° <A R° und darüber: ^Osl^A. (K°^)