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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
Seite
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"Nürnberg . Joh

Philipp Ulhard. Auch dcr Nector Paul Aeinil beiSt. Ursula verdient hier ehrenvoll genannt zu wer-den. Selbst Privatpersonen, welche nicht gelernteDrucker waren, übten nicht ohne Erfolg die herr-liche Kunst. So nennt die AugSburger Geschichteden gelehrten Arzt Siginnnd Grimm von Zwickau ,nebst dem reichen Kansmanne Marr Wirsung alsgemeinschaftliche Besitzer einer Ossicin, welche siedurch den geschickten Factor Sympert Rns führenließen. Ganz besondere Erwähnung aber verdientdie Bncl'drnckcrei»6 ius!^»« ?i>uis", die eineganze Gesellschaft: Marr und Matthäus Weiser,Karl Nehliuger, Bouaveutura von Bodcck, Kasparuud Melchior Erhard, Johann Georg Oestreicher,Johann Hubherr und Melchior Emekofen unter-hielten, bei welcher der berühmte David Höschel als Corrector wirkte, David Frank aber nebstMichael Manger und Johann Prätorius das Ge-schäft als Kunstgenossen leiteten. Eine Schrift-gießerei war mit dieser für damalige Zeit gewißbedeutenden Anstalt verbunden. Mamn'gfache Aus-gaben der besten griechischen und römischen Elassi-kcr, aus guten Handschriften sorgfältig abgedruckt,sind sprechende Zeugen ihrer Verdienste, welcheG. W. Zapf in einer besonderen Schrift, Augs-burg 1804. 8., gewürdigt hat.

Wohl hat in der alten .^.ugustiv Vlnüelicorum dietypographische Wirksamkeit nie aufgehört, sondernwnrde, wie fast alle Zweige der Kunst, selbst wäh-rend der Störungen des dreißigjährigen Kriegesfleißig fortgesetzt, doch war sie durch schlechtesPapier, unreine Lettern und Uncorreetheit in dasHandwerksmäßige herabgesnnken, bis zu Eude desvorigen Jahrhunderts Christian Deckardt und ingegenwärtigem die großartige Anstalt des um dieLiteratur und Kunst so hochverdienten Joh. FriedrichFreiherrn von Cotta den alten Ruhm aufs Neuebelebten. Des Letzteren Wirksamkeit ist in der ge-lehrten und Buchhäudlerwell zu bekannt, als daßsie hier noch einer weiteren Ausführung bedürfte.ES genüge die Andeutung, daß Eotta im Jahre 1824hier die erste Dampfschnellpressc in Baiern errichtete,mit welcher die allgemeine Zeitung, die parteilosesteund zuverlässigste Geschichtsquelle unter allen Jour-nalen unseres Vaterlandes, täglich gedruckt wird.

ann Sensenschmid. 161

Die Stadt Augsburg gab Deutschland im Jahre 1564durch ihren Buchhändler, damals Buchsührer ge-nannt, Georg Willer den ersten Meßtawlog. Mansehe G. W. Zapf, Augsburgs Buchdruckcrgeschichtevon 1468-1530. Augsburg 1788. 2 Theile in 4.

Nürnberg .

Johann S c n se li sch mid,

von 1473 bis 1478.

Dieser außerordentliche Mann, der seine Künst-lerbahn in Nürnberg begonnen, in Bamberg fort-gesetzt und in Negensbnrg geendigt hat, war in Egcrgeboren und gehörte zu den gelehrten Buchdruckern,wie dies die Correctheit der aus seiner Presse hcr-vorgcgangenen, größtentheils sehr prächtigen Werkebeweiset. Er kann als der Schöpfer jener nachmalsso berühmt gewordenen Nürnberger Typographieangesehen werden. Sein erstes Werk und zugleichder erste Nürnberger Druck ist:Fraiicisci deNetzn Comeslorium uitiormn Kc. Tlurcmbcrge»nno ic lrr°." in groß Folio. Zum Gehülfen hatteer Heinrich Kefcr von Mainz , einen Arbeiter ausGutcuberg's Werkstätte, dessen Name mit demSeinigcn aufNcnncri Summa scu Pantheolo-gia 1473" vorkommt. Vier Jahre später verbander sich mit dem gelehrten Andreas Frisncr ausWnnsiedcl und gestand ihm sogar einen Antheil ander Druckerei zu. Der Name des Letzteren, welcherin Leipzig studirt hatte uud dort Magister gewordenwar, erscheint zuerst in der Schlußschrift von:P. Thomac Aquinatis «Quodlibet« duodccim",W0 er!mnr!m<?iul»ium librorum corrector" ge-nannt Wird. Mit ihm zusammen druckte er bis1478 verschiedene und meist wichtige Werke. ImJahre 1473 aber verließen Beide, vielleicht weil sieneben dem thätigen Kobnrger nicht mehr bestehenkonnten, Nürnberg. Senscnscbmid zog nach Bam-berg , wo er, wie wir bereits Seite 151 gesehenhaben, bis zum Jahre 14S0 thätig war, Frisncraber wählte Leipzig zu seinem Aufenthalte, wo erwegen seiner Gelehrsamkeit eine Professur der Theo-logie erhielt und drei Jahre darauf das akademische

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