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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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162 Lliirilbcra. Johannes Negiomontanus. Anton Kobcrgcr.

Nectorat verwaltete. Wir werden bei Schilderungder Fortschritte der typographischen Kunst in derCentralstadt des deutschen Buchhandels auf diesenaußergewöhnlichen Mann zurückkommen.

Sensenschmid hatte sowol an Frisner als anAndreas Numel, einem berühmten RcchtSgelehrtenin Nürnberg , ebenso fleißige als einsichtsvolle Cor-rcctoren, welche nach damaligem Branche nicht nurfür die Verbesserung der Druckfehler, sondern ganzbesonders auch für die kritische Revision des Tertesbesorgt waren, sowie denn überhaupt die Correcto-ren jener Zeit den Editoren " unserer Tage gleich-zustellen sind. Sensenschmid's und Frisner's Jn-signien warenzwei gekreuzte Sensen" nndeinPelikan" in schiefstchendcn Wappenschildern. Essind dies zugleich die ersten Bucbdruckerzeichen, dieman nach den Fust- und Schöffer'schen findet.

Johannes Negiomontanus,

von 1472 bis 1475,

Johann Müller, welcher sich znfolge der Sitte jenerZeit nach seinem Geburtsorte Königsberg in Fran-ken KeL'vn'outainis" nannte, einer der größtenMathematiker des fünfzehnten Jahrhunderts, Schü-ler des berühmten Georg von Pcnrbach, hatte inWien mit großem Beifalle Mathematik gelehrt, warBehufs seiner noch zu erweiternden Studien mitdem Cardinal Bessarion nach Italien gereiset, hattedort durch seine Gelehrsamkeit Bewunderung erregtund hierauf längere Zeit am Hofe des KönigsMatthias Corvinus von Ungarn gelebt, den er imJahre 1471-jedoch wieder verließ und nun in Nürn-berg seinen Wohnsitz ausschlug. Um auch hier dieLiebe zur Algebra, Mechanik und höheren Mathe-matik zn wecken, faßte er den Entschluß, verschie-dene in diese Fächer einschlagende Bücher, vorzüg-lich die von ihm mit vielem Fleiße gesammeltenHandschriften griechischer Mathematiker durch denDruck bekannt zu machen. Zn diesem Vorhabenreichte Scnsenscl'inid'S Werkstatt nicht aus. Ererrichtete also mit Unterstützung Bernhard Welter'seine zweite Ossiein und druckte hier zuerst den weiteroben Seite 55 bei Erwähnung derxylographischen

Denkmäler" beschriebenen deutschen und lateinischenKalender mit festen Holztafeln von 1473, welchembald darauf mehrere andere nicht unbedeutende Werkefolgten, deren Hauptverdienst Eorrectheit ist. ImJahre 1474 wurde er vom Papste Sirtus IV. wegender Kalenderrcform nach Rom und nachmals ansden bischöflichen Stuhl von Ncgcnsburg berufen,wo er im Jahre 1476 nach Einigen an der Pest,nach Anderen von Georg's von Trapezunt Söhnen,welche den Schimpf ihres Vaters, in dessen Ueber-setzung Negiomontanus große Fehler aufgedeckt hatte,rächen wollten, menchelmörderisch dahingerafft wor-den ist. Seine bedeutendsten Werke, außer demobeugenannten, sind.'Manilii Astronomicon",Cohcmcriocs, o,uns milgo vocanl Almanach",Mossci vcgii Philalcthcs" undMagni ZZa-silii libcr ad Juvrncs Kr."

Anton Koberge r,

von 1473 bis 1513,

auS ciuem alten ehrbaren Geschlechte Nürnbergs ,ein Sohn Heinrich Kobcrger's (auch oft Coburger)und der Agnes Glockengießerin, ist der Zeit nachder dritte, der Wichtigkeit seiner Leistungen nachaber der erste Buchdrucker seiner Vaterstadt. EinFrcnnd der Wissenschaft und Kunst, angesehen,reich und gelehrt, wußte er seinem Geschäfte garbald eine solche Ausdehnung zu geben, daß ihnschon seine Zeitgenossen denKönig der Buch-drucker" nannten. In seiner Werkstatt warentäglich vier und zwanzig Pressen im Gange undüber hundertGesellen", als Setzer, Corrcctorcn,Drucker, Buchbinder, Possclierer und Jllnministcnbeschäftigt. Zugleich Buchhändler hielt er in Nürn-berg, Frankfurt am Maiu, Venedig, Hamburg ,Ulm, Augsburg, Basel, Erfurt und Wien undan anderen Orten offene Laden mit besonderenFactoren, die dazu uöthigeu Magazine nicht mit-gerechnet und ließ sogar iu auswärtigen Ofsicinen,z. B. zu Basel bei Johann Amcrbach und zu Lyonbei Jakob Sacon auf seine Rechnung drucken.

Da in jener Zeit die Buchdrucker ihre Bücherselbst vertrieben, so laßt sich hieraus schließen, wie