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umfangreich und ansgcdehnt auch sein buchhändleri-scher Wirkungskreis gewesen sein mnß. Bewundernwir eines Theils den großartigen Unternehmungs-geist Koberger's und seine Kraft: so müssen wirandern Theils über die Leitung des so ausgedehntenWirkungskreises staunen, da er solche allein versah.Ueber seinen weitlänstigen Buchhandel führte er eineigenes Buch, in welchem sowol Gläubiger alsSchuldner so künstlich getheilt waren, daß er injedem Augenblicke übersehen konnte, welche Bücherihm an allen Orten abgingen, oder an welchen ernoch Vorrath hatte, um selbige anderwärts ver-senden zu können. Die größte Pünktlichkeit undOrdnung war die Seele seines Geschäftes. Diefestgesetzten Arbeitsstunden mußten gcuau einge-halten werden. Die Arbeiter hatten sich vor demDrnckhause zur bestimmten Stunde zu versammeln.Mit dem Glockenschlage öffnete der Hausherr diePforte, uud wehe demjenigen, der dann nochfehlte! Correctheit und Eleganz zeichnen alle seineWerke aus, deren man über zweihundert zählt.Friedrich Pistorins und Johann Beckcnhaub warenseine Eorrectoren. Man kennt allein dreizehn Bibeln,die ans seinen Pressen hervorgegangen, zwölf inlateinischer und eine in deutscher Sprache. Letzterevom Jahre 1483 in groß Folio nennt Lichtenbergerdie schönste aller alten deutschen Bibeln. Sie istmit den höchst merkwürdigen Holzschnitten versehen,welche schon die 1480 von O-nentel in Cöln ge-druckte h. Schrift schmückten und die selbst noch beider Halberstädter Bibel (in nicdersächsischer Mund-art) vom Jahre 1522 vorkommen. In einem dergroßen von Koberger benutzten Holzschnitte ist derPapst als Haupt der gefallenen Engel dargestellt.Papier , Typen, Schwärze, Holzschnitte, Druckwerk,Alles erhebt diese Ausgabe zu einem Meisterstücketypographischer Vollendung für jene Zeit. Einerseiner gesuchtesten Drucke ist „Der Schatzbehalter"(1491. in Folio) wegen der 95 schönen Holzschnittevon Michael Wohlgemuth, Dürer's Lehrmeister.Nicht minder ausgezeichnet ist „!)>-. HartmannSchedcl'S Buch der Chroniken nnd Geschichten"(1493. in Folio) mit sehr vielen Abbildungenvon Wohlgeinnth's und Pleydenwurfs kunstgeübtenHänden.
Anton Koberger starb im Jahre 1513. Vonzwei Gattinnen wurde er mit sechs und zwanzigKindern gesegnet. Sein Sohn gleiches Namenssetzte die Handlung seines Vaters sort und ließanch, wie dieser, auswärts z. B. in Hagcnan beiAnshelm, in Straßbnrg bei Grüningcr und inLyon bei Jakob Sacon und bei Johann Mariondrucken. Auch seines Bruders Sohn, Hans Co-bnrger (wie er sich gewöhnlich nannte), ließ bis1543 daselbst mehrere Werke auf seine Kosten aus-führen, weil seine Pressen zn sehr beschäftigt waren.Die Thätigkeit dieses außerordentlichen Manneshat G. E. Waldau trefflich geschildert in: „LebenAnton Eoburgcr'S u. s. w. Dresden und Leipzig ,1736. 8."
Friedrich Creußner,
von 1472 bis 1496,
trat gleichzeitig, wo nicht früher alö Cobnrgcr, inNürnberg auf. Seine beiden Ausgaben des „ latei-nischen Psalters" und sein „Donat", welche beidemit schönen Missalbnchstaben ausgeführt siud, ver-rathen ein hohes Alter. Albrecht von Eyb's Buch:„Vl> einem Mann sey zu »einen ein elichs Weiboder nit?", das 1472 aus seiner Presse hervorging,ist die erste Druckschrift, welcher er am Schlüsseseinen Namen „Fricz Lreusmer" beisetzte. Erhat in der Folge fast bis zn Ende des fünfzehntenJahrhunderts verschiedene nicht unbeträchtliche deut-sche und lateinische Werke, meistens mit schönenTypen und großer technischer Sorgfalt, vollendet.Eines der interessantesten und seltensten ist unstreitig„Das puch des edel» Ritters vn landt sarcrsMarcho Polo" (1477) in Folio, von welchemnur sehr wenige Eremplare bekannt sind, in derHofbibliothek zn Wien, im Besitze Lord Spencer'sund T. O. Weigel's in Leipzig .
I^rAirvs vitse eommiini^
von 1479 bis 149l.
Von den Kogclherrn, oder Brüdern des gemein-schaftlichen Lebens, von denen weiter oben schon einige