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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Leipzig . Johann Gottlob Jinmanue! ArcitKops.

Iohaiiil Gottlob Ziniuauuel Bn'itkvpf,

von 1754 bis 1794,

dcs Vorigen Sohn, die dankbarste Anerkennung,denn mit ihm beginnt in der Geschichte der deutschen Typographie eine neue Aera . Im Jahre 1719 zuLeipzig geboren und auS LiebliugSueiguug durchakademische Studien ausgebildet, widmete er sichgegen den Wnnsch seines VaterS hauptsächlich derMathematik. Albrecht Dürer's Werk:Vnder-mei)sung der Messung mit dem zirKel" u. s. w., inwelchem der nie ruhende Geist des berühmten Mei-sters bekanntlich auch die Buchstaben ans mathema-tische Grnndlehren zurückführen wollte, um ihueueine regelrechte schöne Form zu geben, wendete ihndem Studium der Bnchdrnckertunst zu, deren Fort-bildung er nun mit einem Erfolge, wie es nochkeinem seiner LandSlente znvor gelungen war, zumHauptgeschäfte seiueö Lebens machte. Er ward derWiederhersteller des guten Geschmackes und dertypographischen Schönheit in unserem Vaterlande.2hm verdankt man die Erhaltung der deutscheu oderFraeturschrift, welche als von der ursprünglichen,schon von Gutcuberg, Schöffer und Psister ange-wendeten gothischen Type ausgehend, seit Jahrhun-derten unserer Nation znr ganz eigenthümlichenZierde gereicht; denn, als man sast allgemein diedeutschen Letteru als geschmacklos durch lateinischeverdrängen wollte, erklärte er sich mit Lebhaftig-keit dagegen und bildete durch Verbesserung ihresSchnittes, dem er mehr Nundung und schönereVerhaltnisse der Höhe zur Stärke verlieh, einenkräftigeren Widerstand, als jede schriftliche odermündliche Demonstration zu gewähren vermochthätte. Mehrere der wichtigsten Erfindungen imGesammtgcbiete der Typographie, als seit 1754ein besserer Druck der Noten oder vielmehr dieKunst, musikalische Werke mit beweglichen Typenzu drucken, chinesische Bücher, statt mit sesten Holz-tafeln, durch cigendö geschnittene Metallcharakterezu vervielfältigen, seit 1760 der Versuch, mathe-matische Figuren, Landkarten und geographischesowie militärische Situationen, ja selbst Portraitsmit besonderen willkürlich an einander zu reihen-den Zeichen zu drucken, vor Allem aber manche

Vervollkommnung im Schnitt der Buchstaben sindsein Verdienst. So gelang es endlich seinem uner-müdeten Nachdenken, die Metallmasse zn den Typenoder in der Kunstsprache den Letternzeug" durchgrößere Härte dauerhafter zn machen, das Schmelzenund Gießen der Schrift durch eine neue Methodezu erleichtern und an den Pressen manches zu ver-bessern. Das Wenigste aber genügte ihm selbst,denn noch weit strengere Anforderungen, als er anAndere zu machen pflegte, stellte er zum Zielpunktseines eigenen Strebens aus. Wiewol ihm diePariser Akademie für die Beweglichkeit der chinesi-schen Schrift ihren Beifall zollte und der Papst ihmGlück wünschen ließ, gab er denselben sowie denLandkarten - und Bildnißdruck als ungenügend ans,legte anßer der von seinem Vater geerbten Bücher-druckofficiu, welche über 400 verschiedene Alphabetezählte, noch eine Schriftgießerei von zwölf Oefcn,eine Musikaliendruckerei, eine Spielkartenfabrik,eine Tapeteudruckerei nebst Buch - und Musikalien-handlung an und gab gegen 150 Menschen Gelegen-heit znr Ausbildung und zu Broderwcrb. Nebenbeibeschäftigte er sich bis zum Ende seines thätigenLebens mit historischen Forschuugcu über das Wesenseines schönen Berufs. Früchte dieser eifrigen Stu-dien waren die noch jetzt unübertroffenen Werke:Ueber die Geschichte der Erfindung der Buch-druckerkuust, Leipzig 1779. 4."Versuch, denUrsprung der Spielkarten, die Einführung dcsLeinenpapiers und den Anfang der Holzschneide-kunst in Europa zu ermitteln, Leipzig 1784. 4."Ueber Bibliographie uud Vibliophilie, ebendaselbst1793. 4." undGeschichte der Schreibe-, sowie derSchönschrcibeknnst und der Bildschnitzerei, Malereiund Mosaik, herausgegeben von I. C. F. Roch,ebendaselbst 1801. 4." Letzteres ist freilich mir einefragmentarische Materialienlese aus zwar reichhalti-gen, aber gänzlich ungeordneten Papieren. Zn einerausführlichen Geschichte der Typographie, welche indrei Bänden erscheinen sollte und zu deren Ausar-beitung er mit den vorzüglichsten Gelehrten unseresBaterlandes, wie mit einem Lcssing, Küstner, Bcck-mann, Forster und mit den ersten Bibliographenseiner Zeit, als Schclhorn, Würdtwein, Panzer,Zaps, Mecrmann, Freitag, v. Mnrr, Mensel u. A.