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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Leipzig .

Karl Christoph Trangott Tnuchnitz.

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einen lebhaften Briefwechsel unterhielt, hatte ersowol den Plan entworfen, als auch den Stoffgesammelt, schrieb dieselbe aber mir bis zum sieben-ten Bogen, als ihn an? 28. Januar 1784 der Todereilte.

Die Anstalt führte sein Sohn Christoph Gott-lob, welcher mit Friedrich Nochlitz 1798 die erstemusikalische Zeitung in Deutschland begründet hatte,uuter Mitwirkung Gottfried Christoph Härtel's ,eines überaus thätigen und einsichtsvollen Geschäfts-mannes, bis zu seinem Tode (1800) fort, vonwelchem Zeitpunkte alsdann der Letztere als allei-niger Eigenthümer derselben mit gleichem Ruhmevorstand. DaS Geschäft, unter der Leitung derBrüder Raimund und Dr. Hermann Härtel, derSöhne dcS Vorigen (Firma: Brcitkopf und Härtel),von deren Kunstfertigkeit die zur Verherrlichung desvierten Buchdruckerjubiläums von den BrüdernOtto und Georg Wigand veranstaltete Prachtaus-gabe des Nibelungenliedes mit Holzschnitten nachBcndcmann's uud Hübner'S Originalzeichnungcn"den sprechendsten Beweis liefert, hat in neuererZeit sowol an Inhalt als Ausdehnung gewonnenund vereinigt außer einer bedeutenden Anzahl vonHandpressen auch zwei Schnellpressen, mehrereZweige der Typographie, des Buch- und Musi-kalicnhandelS, für welchen letzteren Zweck eineStein- nnd Zinndruckerci in stetem Gange sind.Nicht minder verdient die Fabrik musikalischerInstrumente, die mit den vorzüglichsten Anstaltendes In- uud Auslandes in die Schranken tritt,eine ehrcnwerthe Erwähnung.

Dem gefeierten I. G. I. Breitkopf stehet in derReihe der deutschen Männer, welche in der Vered-lung der typographischen Kunst ihren schönstenLebenSbernf fanden,

Karl Christoph Traugott Tauchnitz ,

von 17S6 bis 1836,

am nächsten, und auch auf ihn kann man anwenden,was Vrcitlopf's Biograph, HausiuS, von Ersteremsagt: Er ist als der Vater typographischer Kunstund Schönheit in Deutschland anzusehen." Als derSohn eines armen Schullehrers in dem Dorfe

Großpardau am 29. October 1761 geboren, ver-mochte er die Mittel zum Studiren, wohin seineerste Neigung ging, uicht zu gewinnen, er wähltedaher einen mit der Literatur am nächsten ver-wandten LebenSbcrus, die Vuchdrnckcrknnst, gingbei dem rühmlich bekannten Typographen Sommerzn Leipzig in die Lehre nnd vollendete seine Ausbil-dung bei dem als Buchdrucker nnd Holzschneidergleich berühmten Unger in Berlin . Nachdem er biszu seinem füns und dreißigsten Jahre in mehreren dervorzüglichsten deutschen Officiueu gearbeitet, und,nach Leipzig zurückgekehrt, wieder eine Zeitlang alsFacwr in der typographischen Anstalt seines frühe-ren Principals gewirkt hatte, gelang es ihm durchden Ankauf eiuer kleinen Buchdruckerei, die nichtmehr als eine gangbare Presse zählte und keinegroße Auswahl von Schriften besaß, sich selbststän-dig zu machen.

Seine ihm ganz eigenthümliche Umsicht, ver-bunden mit persönlicher Lebendigkeit des Geistesund Körpers, halfen die ihm ertheilten Austrägemit eben so feinem Gcfchmacke, als großer Pünkt-lichkeit erfüllen. Sein Geschäft wuchs mit jedemJahre. Er blieb bei dem bloßen Drucke nicht stehen,sondern gründete 1800 eine Schriftgießerei, diespäterhin durch die verschiedenartigen schönen, zu-mal orientalischen Schriften einen unverkennbarenl Einfluß auf die deutsche Typographie ausgeübt hat.Die Fortschritte des Auslandes benutzte er durcheifrige Betreibung der Stempelschneidekunst. Dievon Bodoni, Didot lind BaSkerville verbessertenFormen der lateinischen Typen wurdeu durch seineSchriftgießerei zuerst in Deutschland eingeführt. Erwar der Erste, der eine Stereotypengicßerei nachder Methode des Lord Stanhopc in Deutschland er-richtete uud jcucs Verfahren bei seinen in unzähligenEremplarcn auf beiden Hemisphären verbreitetengriechischen und lateinischen Autoren, im Jahre 1819auch bei mehreren Vibelausgaben mit großen: Vor-theile anwendete. Später machte er auch den vorihm noch von Niemand gewagten Versuch, dieStereotypie ebenfalls in die musikalische Literatureiuzuführeu, wovon Friedrich Schneider's Elavier-auSzüge des Mozart'schenDon Juan" und desTancred" von Rossini gelungene Proben sind.

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