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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Fcipzig. Karl Christoph Traugott Tauchnitz .

Die großen Fortschritte, welche Tauchnitz imGesammtgebicte der Typographie gemacht hat, lassensich nicht besser erkennen, als wenn man seine imJahre 18^5 erschienenen Schriftproben mit denenvon 1806 und 1816 vergleicht und dabei berücksich-tigt, das; er noch in den letzten Jahren seines be-wegten LebcnS dnrch Bildung neuer hebräischer,syrischer und arabischer Schriften einem vor ihmin Dentschland nur von wenigen Typographen ge-pflegten Geschäftszweige ein neues Feld ruhmwür-diger Thätigkeit eröffnet hat. Vernehmlicher alsWorte des Lobes sprechen seine Werke selbst. Werkennt nicht seine Stercotypansgabe des Homer, beiwelcher er, um möglichste Eorrectheit herzustellen,mit seltener Liberalitat für Auffindung jeden Druck-fehlers den Preis eines Ducatens aussetzte, seinenCicero uud TacitnS, die ebenfalls stereotypirtehebräische Bibel in zwei Ausgaben, den von FlügelbesorgtenKoran " in der Originalsprache, und dieprachtvollen Pergamentdrucke von Szafieddin's Ge-dicht au den Sultan Abulniekarem (arabisch, latei-nisch uud deutsch ) und der Kuhn'schen Hymne anSe. M. den König Friedrich August am Tage seinerJubelfeier, wovon die Stereotypplatten in der könig-lichen Bibliothek zu Dresden verwahrt werden.

Ebenso große Bedeutung, wie seine Druckosficin,erlangte das von ihm begründete VerlagSgcschäft.Mitten in neuen Unternehmungen, z. B. einervom !)>-. Julius Fürst umgearbeiteten Ausgabe derhebräischen Bibelcoucordanz von Burtors, einerneuen 'Ausgabe der Vulgüt», dem Grundierte gegen-über, nnv neuerorientalischen Schriftproben",rief der Engel des Todes den lebenshcitern rüstigenGreis am 14. Januar 1836 im Schlafe von seinemT agewerke ab. Das Geschäft, welches zu den vor-züglichsten in Leipzig gehört, wird von seinemSohne Karl Tanchnitz mit großem Eifer fortgesetzt.Letzterem gebührt das gewiß nicht unerhebliche Ver-dienst, im Jahre 1839 auf Betrieb des würdigenamerikanischen Missionars, 1>>-. Smith, die schönstenbis jetzt bekannten arabischen Ti'pen nach beson-deren von den berühmtesten jetzt lebenden Kalligra-phen in Constantinopel eigends zu diesem Zweckegeschriebenen Vorbildern geliefert zu haben, welchedie amerikanische MissionSgesetlschast aus ihre Kosien

in Leipzig schneiden und gießen ließ. Sie über-treffen an Schönheit und acht orientalischem Ductusdie berühmtesten sowol französischen, als englischenLeistungen dieser Art.

Unter den jetzt lebenden Typographen Leipzigs ragen in Beziehung auf den Umfang ihrer Officincnund der damit verwandten Branchen die FirmenF. A. Brockhaus und B. G. Teubner hervor. Diemeisten Pressen, darunter auch drei Schnellpressen,welche letztere durch eine Dampfmaschine in Bewe-gung gesetzt werden, sind in der Offiein des Ersterenim Gange und werden größtentheils dnrch eigeneVerlagsunternehmungen, als z.B. die AllgemeineLeipziger Zeitung, das Couversationslcricon derGegenwart, die Blätter für literarischc Unterhal-tung, Gersdorf'S Repertorium der dentschen Litera-tur und viele andere Artikel in Anspruch genommen.Auch in typographischer Beziehung hat sich dieOsficiu vortheilhaft ausgezeichnet. Wir erinnernnur an die neueste DruckauSsührung der Pracht-ausgabe von Franz Kugler ,Geschichte Friedrichsdes Großen", mit Holzschnitten nach Originalzeich-nungen von A. Menzel (Leipzig , bei I. I. Weber)und an die von Gersdors und Espe revidirte Jubel-^ Prachtausgabe des Neuen Testaments ."

Die Thätigkeit der beiden Brüder Friedrich undHeinrich Vrockhaus findet sast täglich in neuen zeit-gemäßen Unternehmungen Stoff zu einer immerausgedehnteren Wirksamkeit. So besitzen dieselbenin Vereinigung mit Eduard AvcuariuS und GeorgHartmann Friedlein eine Buchhandlung iu Paris ,uud iu Weimax auf alleinige Rechnung die trefflicheingerichtete, von dem berühmten Walbaum ge-gründete Schriftgießerei, welche mit den ersten An-stalten dieser Art in Deutschland wetteifert. Nichtminder uiinmt die von ihnen in Leipzig gegründeteStereotypie einen ehrenwcrthen Platz in der Reiheähnlicher Anstalten Deutschlands ein.

Auf derselben Stufe steht die Officin deS wackernVerlegers dieses Buches, die in Folge der Ver-zweigung ihrer Branchen zu den ausgcdehntcsteuDeutschlands gezählt werden mag. Nächst zweiSchnellpressen vereinigt sie in dem dazu sehr praktischeingerichteten neuen Geschäftshaus,: (wovon die bei-gegebcnc Abbildung eine Veranschaulichung giebt)