Frciburg. — Kilian Piscator. — Friedrich Niedrer. — Füncluirg.
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welches Buch von den zwei Brüdern Johann nndThomas Borchardi mit einer großen gothischen Typeim Jahre 1491 ausgeführt wurde. Nichts desto-weniger verdient sie alle Aufmerksamkeit, weil siedie Kunst bis auf die neueste Zeit unausgesetzt ge-pflegt hat.
Joachim Lew ist der bedeutendste Drucker dessechszehnten Jahrhunderts. Im siebenzehnten lagdie -Kunst hier, wie asserwärts in deutschen Landen,wegen des verheerenden Krieges darnieder. Unterden Typographen deS achtzehnten Jahrhunderts ver-dienen genannt zu werden: Rudolf Benccke, JohannAnton Hiltemann, Philipp Ludwig Stromer undHeinrich Christian Hülle. Noch gegenwärtig sindzu Hamburg nicht weniger als 27 Ofsicinen beschäf-tigt, nämlich: I. B. Apel, Berg, FabriciuS undNatjen, Fischer, Hartmeyer, Hartwig und Müsser,Hermann, Kaiser nnd Frankcl, Kniesch, Kumpel,Dr. Langhoff, Meißucr (NathSbuchdrucker), Mel-den,, Menck, Meyer, Müller, Nestler und Messe,Otto, Pforte und Lange, Philippccmr, Voigt,Wagner, Wichcrs, Wolf, Wöriner der Aeltere,Wörmer der Jüngere nnd die Erpedition der neuenZeitung. Vcrgl. vr. Lappcnberg's Säcularschrift,Hamb . 1340. 8.
Freibnrg.
Killn n Piscator,
von 1493 bis 1495.
Kilian Fischer, oder nach der Sitte der dama-ligen Zeit latinisirt „PiScator", wahrscheinlichein Schüler des gelehrten „wandernden" Buch-druckers und Correctors Johann Beckcnhub, dessenwir nnter diesem Namen oder als „Mentzer" schonöfters gedacht haben, kann als Frcibnrg's ersterDrucker angeschen werden. Ihm verdankt man:„S. Aoimvcnturae pcrlustratio in IV. librosscntcntiarum." 1493. in Folio, das früheste indieser Stadt gedruckte Bnch. Im darauf folgendenJahre gingen mehre andere lateinische Werke, wiez. B. „Augustinus, dc civitatc Dei, — de tri-nitlltc etc." aus seiner Ofsicin hervor, und gleich-zeitig erhielt er an
Friedrich Niedrer,
von 1493 bis 1499,
einen thätigen Nebenbuhler. Dieser gab 1493 den„Spiegel der waren Rhetorik" in Folio heranS,welchen er in der Vorrede nach damaliger alemanni-scher Mundart auch „leer briefcnscherpractic" nennt,ein Werk, daS als eines der ersten deutschen ge-richtlichen Formularbüchcr betrachtet werden kann.Niedrer scheint sich auf dieses von ihm selbst „vsiM. Tnssio C. vnd andern getütschten mit Iren gli-dern cluger reden Sandbriefen vnd formen, meni-cher contract, scltzam RegulicrtS TnischS vnd nutzbareremplirt mit fugen uff göttlich vnd kciserlich schrifftvnd rechte gegründt", viel zu gute gethan zu haben;denn cS erschien von ihm noch: „Frnucisci Ninriopuoculum scribendi epistolas." 1499. 4. und„Thomc ^Nurncr Trnctntus perutilis de phyto-nico rontractu." 1499. 4.
Da Frciburg in späteren Jahrhunderten in derDruckkunst sich nicht vor anderen Städten hervor-gethan hat, so müssen die Zuustgenossen jener frü-heren Periode, die sich meist nur mit der Verbreitunghonuletischer und aScetischer Schriften beschäftigten,hier unerwähnt bleiben. In unseren Tagen ent-wickeln die Universitätsbuchdrucker Gebrüder Groosund der unternehmende BartholomäuS Herder, Be-sitzer zweier Handlungen (Kunst- und Buchhand-lung nnd VcrlagShandlung), sowie einer Lettern-und Steindruckofficin, große Thätigkeit.
Lnneburg.
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In Niedersachsen war nebst Lübeck und Ham-burg Lüueburg die dritte Stadt, in welcher die neueKuust zuerst Aufnahme gefunden. Sie mag daher,der chronologischen Neihefolgc wegen, hier eineStelle finden, obgleich sie in typographischer Bezie-hung weder mit ihren Vorgängerinnen, noch mitanderen Städten unseres Vaterlandes wetteifernkann, die viel später als sie Druckwerkftätten inihren Mauern errichtet haben.