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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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200 Oppenheim. Freisingen. I. Schä'fsler. Vssenburg. Tübingen . I. Ottmar.

DaS erste in Lüneburg gedruckte Buch ist:Thomas a Kempis, de imitatione Christi " etc.1493. kl. 8., welches von Hans Lucas oder Lucemit gothischen Lettern ausgeführt wurde. In spa-terer Zeit hat sich die Typographenfamilie Sternbesonders hervorgethan, deren Stammvater JohannStern aus Anerkennung seiner Verdienste vonKaiser Ferdinand III. in den Adelstand erhobenworden.

Oppenheim.

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Im gleichen Verhaltnisse, wie Lüneburg inNorddeutschland, stehet Oppenheim in Mitteldeutsch-land zur typographischen Kunst. Diese wurde schonam AuSgauge des fünfzehnten Jahrhunderts in jenereinst sehr wohlhabenden Stadt mit ziemlichem Eiferausgeübt, aber in den darauf folgenden Jahrhun-derten immer mehr und mehr vernachlässigt, so daßsie für die gegenwärtige Zeit kaum noch Erwäh-nung verdient. DaS erste hier gedruckte Buch ist:Wigandi <Lauponis (Wirth) dnalogus npolo-gcticus adversus Trithemium de ronceptione Vir-ginis Mariae." 1494. 4. Der Drucker ist unbe-kannt. Der Corrector Peter Günther aber nenntsich in dem diesem Werke vorangehenden lateinischenLobgedichte auf die BuchdruckerkunstI^udi literarüvj>lienlie!mensis Mll-ziüter." In spaterer Zeit ver-schwindet dieser Ort sast ganz aus der Geschichte derTypographie.

Fr eisin gen.

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Auch diese kleine Stadt in Baiern muß unterden Wiegenstädten der typographischen Kunst auf- !geführt werden, obgleich Letztere hier späterhin sichkeiner besonderen Pflege zu erfreuen hatte. Ihrerster Buchdrucker war

Johann Schäffler,

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welchen wir schon dnrch seine Leistungen in derfreien Reichsstadt Ulm und zwar in den Jahren

1493 -1499 kennen gelernt haben. Das erste Buch,welches von ihm zu Frcisingen gedruckt wurde, ist:Lompenoiosa materia nro zuvenum intorma-tione" etc. 1495. 4. Spater hat sich diese Stadtin typographischer Beziehung niemals zu einigerBedeutung erhoben.

Offen bürg.

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Auch die kleine Stadt Offenburg , der Geburts-ort des Aristoteles der neueren Zeit, Oken's, unddeS großen Musikers Andre letzter Wohnsitz, gehörtzu den Wiegenpunkten der Typographie. Schon1496 war hier eine Presse thatig, aus welcherNoberti de Ficio Vuadragcsimale" in 4. her-vorgegangen ist. Man muß um so mehr bedauern,daß man den Namen deS Druckers nicht kennt, alsdieses mit kleinen gothischen Typen ausgeführte BuchkeineSwegeS in technischer Vollkommenheit zu dengeringsten seiner Art gehört. In späteren Jahrenhaben andere Industriezweige die Buchdruckerkunstverdrängt.

Tübingen .

Die Universitätsstadt Tübingen, seit der aufAnrarhen der drei großen Lehrer Johannes Reuchlin (Capuio), Gabriel Viel und Johannes Vergenhauß(Nauclcrus), vou Eberhard im Bart , Herzoge zuWürtemberg , 1477 gestifteten Hochschule vor vielenAkademien ausgezeichnet durch den gründlichen, ächtwissenschaftlichen Geist ihrer Gelehrten, die nichtnach auffallenden neuen Systemen und Theoriccnhaschten, sondern mit deutschem Fleiße mehr imStillen wirkten, gewährte zwar erst 1498 der edlenKunst ein Asyl in ihren Mauern, hat aber bis aufunsere Tage niemals aufgehört, dieselbe nach Kräf-ten zu Pflegen.

Johannes Ottmar,

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der freien Künste Magister, aus Reutlingen , istals der erste Tübinger Drucker bekannt geworden.