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Da man damals mit den Pressen umherzog, um er-haltene Auftrage und Bestellungen auszuführen, solaßt eS sich nicht genau bestimmen, wann er seinenSitz hicher verlegte; wahrscheinlich geschah diesesschon vor 1498, denn in diesem Jahre erschienenauf einmal zwei Werke mit seinem Namen, älS:„Pauli fratris oro. minor. lertnra de obscr-vantia" in Folio. „-M. Conrnoi Summcnhnrt!>c Calw oratio fnnrbris ziro Dom. Eberhardsducc" in Quart, und zwei andere ohne seinenNamen, aber offenbar mit seinen Typen: „Drnctntusbivartitus o,uod Aeus Homo fieri volucrit" etc.in Quart. „Tractatulus crhortatorins super Xdcfrrtilnis virorum monasticorum" <-tc. in Quart.Beide aus der Feder des um die neue Universitäthochverdienten Lehrers Conrad Summenhart . Dieneue Kunst haben Wcndelin Stcinbach (Stainbach)als Corrector und Friedrich Meynberger als Buch-handler, auf dessen Kosten die ersten zn Tübin-gen gedruckten Werke erschienen sind, nicht weniggefördert.
Würde eö auch zu weitlänftig sein, alle nach-folgenden Leistungen der Tübinger Werkstatten hieraufzuführen, so darf doch der höchst merkwürdigeUmstand nicht mit Stillschweigen übergangen wer-den, daß um die Mitte deS sechzehnten Jahrhun-derts Bücher in windischcr, croatischer nnd dalma-tischer Sprache mit glagolischer und cyrillischerSchrift im Lande Würtembcrg und zwar in denStädten Urach und Tübingen ihr Dasein erhielten.Hierzu gab die Reformation die erste Veranlassung.PrimuS Trüber, im Jahre 1508 auf der Rastzhitz,einem damals freiherrlich Auerspcrg'schen Dorfeunweit Laibach in Crain geboren, zu Salzburg und Wien gebildet und 1531 zum Domherrn inLaibach erwählt, ward von Luther'S Lehre somächtig ergriffen, daß er den Genuß des heiligenAbendmahles unter einer Gestalt öffentlich miß-billigte nnd daS Verbot der Pricstcrehe als unrechttadelte. ES konnte nicht sehlen, daß nach solchenVorgängen ein landesherrlicher VerbannungSacterfolgte und er aus eine Landpfarrc, später nachTrieft versetzt und endlich aus Furcht vor Verhaf-tung znr Flucht genöthigt wurde. So kam er nachObcrdcutscbland. In Nürnberg fand er an Veit
Dietrich einen Freund, dessen Empfehlung ihm einePredigerstelle zu Notenburg an der Tauber undspäter (1552) zu Kempteu verschaffte. Als Trübernoch in seinem Vatcrlande in wendischer Mundartdas Evangelium verkündigte, regte sich oft derWunsch lebhaft in seinem Herzen, Gott möchtedes armen gutmüthigen Volkes sich erbarmen undes mit der Wohlthat begnadigen, daß seine Sprache,wie diejenige anderer Völker, geschrieben und gelesenund daß die Bibel in wendischer Uebcrsetzung ge-druckt werden könnte. Nach mehreren selbstge-machten Versuchen überzeugte er sich von der Aus-führbarkeit, wenn man z. B. „V" für ein gelindes„II" für gelten läßt und die Vocale
sowie die Zeichen „8I>, 1«I>, vxl>" n. s. w.nach der Mundart der Wenden ansspricht. DasErste, waS Trnber verfaßte, war ein Katechismusund ein ABEvarium, daS Eine mit lateinischen,das Andere mit deutschen Buchstaben. Der Ver-such erhielt Beifall. Der Verfasser fand aber mitseinem besten Willen viele Schwierigkeiten. ZuNürnberg nnd später zu Schwäbisch-Hall wurdeder Druck angeblich wegen des Interims verweigert,wahrscheinlich aber, weil man bcfürchtcte, in derunbekannten Sprache könnten Dinge enthalten sein,die mit dem lauteren Worte GottcS nicht über-
' einstimmten. Es blieb daher nichts übrig, alsden Druck heimlich bewerkstelligen zn lassen. Diesgeschah denn auch 1550 zn Tübingen , und zwar,
! wie sich vermuthen läßt, unter Begünstigung desJohann BrentiuS. Aus Veranlassung des ehema-
> ligen Bischofs von Eapo d'Jstria, Paul Vergcrius,welcher sich der Religion halber ebenfalls geflüchtetnnd in Graubündten niedergelassen hatte, verfer-tigte er eine windischc Uebersetzung des Evange-liums Matthäi. Die Morhardiscbe Druckerei zu
z Tübingen übernahm auf Kosten deS Herzogs Ehri-
^ stoph von Würtemberg den Druck. Weil aber Ver-gcrius wegen der mittlerweile in Tübingen auf-gebrochenen Pest besorgt war, so mußte eine Pressenach Rentlingen verlegt werden, nnd Trüber vonKempteu aus dahiu kommen, um die Eorrecturzu besorge». So erschien also noch vor Ende desJahres 1555 das erste Evangelium in windischerSprache und im Herbste 1557 war der ganze erste
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