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witteuberg. — Hans Wens;. — Peter Seitz. — Johann Krasst.
ihm den Druck seiner deutschen Bibelübersetzunganvertraute, welches Werk er schon 1541, 1545und 1546 in schnell auf einander folgenden neuen'Auflagen wiederholen mußte. Man nannte ihn des-halb nur vorzugsweise den „Bibeldrucker." Dader große Reformator auch seine „HanS- und Kir-chcnpostille" uud fast alle seine Werke bei ihmdrucken ließ, so hob sich sein Geschäft zu einer unge-wöhnlichen Höhe und erwarb ihm ein bedeutendesVermögen. Mit dem Bibcldrucke allein warenviele Jahre lang tagtäglich drei bis vier Pressenausschließlich beschäftigt. Man will sogar berech-nen, daß in einem Zeiträume von fünfzig Jahrengegen 100,000 Bibeln ans seiner Werkstatt hervor-gegangen seien. Sein Leben hat Gustav GeorgZeltuer beschrieben, Altdorf, 1727. 4. An HansLufft reihet sich
Hans W e y ß,
von 1525 bis 1539,
der sich durch viele kleinere Schriften vr. MartinLuther's wahrend der vierzehn Jahre seiner Wirk-samkeit in Witteuberg einen solchen Namen erwarb,daß ihn Kurfürst Joachim II. von Brandenburg imJahre 1539 nach Berlin berief, um die neue „Kir-chcn Ordnung ^ im Chnrsiirstenthum der Marken ^zu Brandenburg, une man sich ^ beide mit derFeer und <Lcre- ^ monien halten sol ^ 1540." (dererste datirtc Berliner Druck) herauszugeben. Esward ihm zugleich ein allgemeines Privilegium aufalle von ihm zu druckenden Bücher geschenkt, wes-halb er von nun an seinen Aufenthalt in Berlin nahm. Nicht minder ausgezeichnet als Weyß war
Peter Seih,
von 1536 bis 1549,
welcher ebenfalls in jener Zeit des gewaltigenDrängens und Wogens der Geister durch die Her-ausgabc mehrerer Abhandlungen Luther's und derSchriften anderer Lehrer der Hochschule sich einenehrenvollen Namen und seiner Vaterstadt bleibendenRuhm erworben hat. Er war einer der wenigenbegeisterten Manner, von denen man weiß, daß sieim Jahre 1540 zugleich mit Georg Rhau und Haus
Lufft das erste Jubiläum des einhundcrtjahrigenBestehens der Buchdruckerkunst gefeiert haben.
Johann Kr äfft,
von 1549 bis 1577,
nach dem Gebrauche damaliger Zeit, wo die Eigen-namen, znmal der Gelehrten, meist immer latinisirtoder gracisirt wurden, gewöhnlich Crato genannt,hat wie Rhau und Lufft durch den Druck mancherkleinerer Schriften Lnther's und anderer Reforma-toren wesentlich zur Verbreitung der neuen Lehre,die seit 1517 von Witteuberg cmSgiug, beigetragen.Für seine hohe Bildung mag die vertraute Freund-schaft mit Melanchthon zeugen, dessen Werke ernach Rhau's Tode in ungemein saubern, manmöchte sagen für jene Zeit prachtvollen Ausgabenbekannt gemacht hat.
Mit Johann Krafft , Peter Seitz, ClemensSchleich, Lorcnz Schwenk, Johann Gormann,Lorenz Seuberlich, ZachariaS Lehmann, ZachariasSchürer und Matthias Götz, Hanns Schwerte!,Matthias Welack schließt sich die Reihe der denk-würdigen Typographen dieser historischen Stadt.Die spateren Zunftgcnossen haben sich nicht überdas Mittelmäßige erhoben und heut zu Tage istWitteuberg für die Kunst ohne Bedeutung. Einenausftlhrlichercn Bericht enthalt E. G. Eichsfeld,historische Nachricht von allen WittenbcrgischenBuchdrucker». Witteuberg, 1746. 4.
Wohl verdienten noch manche Städte unseresVaterlandes, wie Berlin, Bonn , Brannschweig,BreSlcm, Karlsruhe, Cassel, Darmstadt, Dresden ,Gotha, Göttiugeu, Halle, Hannover , Hildbnrg-hausen, Jena, Pforzheim, Stuttgart nnd Weimar ,wenn sie gleichwol nicht dem ersten Jahrhunderteder Erfindung angehören, aus dem Grunde hieraufgeführt zu werden, weil sie entweder bald daraufoder wenigstens in neuester Zeit wesentlich zumAufblühen der Buchdruckerkunst beigetragen haben;allein auch die kürzeste Würdigung ihrer Ver-dienste dürste die Grenzen dieser Sacnlarschriftüberschreiten. Ueber die typographische Wirk-samkeit von Preußens Hauptstadt im sechzehnten