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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Venedig. Johann von Cöln. Christoph Waldarser.

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Doch ist es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht sowolsein Geschmack, dem wir die herrlichen römischenTypen zu verdanken haben, als vielmehr ein glück-licher Zufall, der ihm dergleichen rcingezeichneteManuscripte, wie sie zu Ende des fünfzehntenJahrhunderts aus der Florentiner Schreiberschulehervorgingen, woraus nebst den Mediceern unterandern auch Matthias Corvinus seinen Bücherschatzbereicherte, in die Hände gespielt hat.

Der Umstand, daß Jenson nicht nur in seinerAusgabe der Bibel, soudern in noch mehreren theo-logischen und selbst juristischen Werken die gothischeSchrift beibehielt, wahrend er schon die schönerömische gegossen halte, laßt sich nnr ans der damalsherrschenden Gewohnheit erklaren, darin ebenso wiein der gothischen Bauform gewissermaßen einenhierarchischen Prototypus zu erkennen.

Das erste Erzeuguiß dieses Druckers mit völligbeglaubigter Jahrzahl ist:

Ciceronis Epistolae nd Atticum , Prutumet ad (Quintum Fratrem, 1470. Folio,welchem noch in dem nämlichen Jahre I. B. Qna-rini's Regeln der Grammatik nnd des Eusebius

?ra.epsr-ttio ^v-mxelica, sowie Justiuus nnd Ci-cero's INietorica folgten. Nicht minder geschätztsind die nur um ein Jahr spateren Ausgaben desCäsar, Sueton, Quintilian, Cornelius NepoS ,sowie Diogenes Laertius, MacrobiuS, Plutarch und die ebenso schöne als seltene Primeps der

Scriptores rei rüstige. Sciue Werke, die meist

alle von dem gelehrten Omnibonus Leonicenus corri-girt worden sind, werden sämmtlich zu den Meister-stücken der typographischen Kunst gerechnet. PapstSirius IV. ernannte ihn zur Belohnung seinerVerdienste zum Lomes ?aiatinus oder Pfalzgrafen .Merkwürdig ist es auch, daß er 1477 eine deutscheAusgabe der goldenen Bulle druckte. PontanuZ,Lorenz Normann und Christian Friedrich Wadskiarbehaupteten in besondern Abhandlungen, daß Nico-laus Jenson ein Däne von Geburt gewesen sei undNiclS Jensen" geheißen habe, wurden aber schonvon Ch. F. Gesner im dritten Theile seinersonöthigen als nützlichen Vnchdrnckerkunst, Leipzig 1740. 8." gründlich widerlegt. Nebst Jenson machtesich ein deutscher wandernder Drucker

Johann von Cöln,

von 1471 bis 1487,

Johannes de Colonia , um die Verbesserung der Typenverdient. Sie erwarben sich durch ihre Deutlichkeitund Scharfe bald einen so ausgezeichneten Ruf, daßsie in kurzer Zeit unter dem Namen ei^ractere»Veneti in den meisten italienischen Officinen Anwen-dung fanden. Johann von Cöln verband sich nm1473 mit Wendelin von Speyer, spater mit JohannManchen dc Ghcretzcm (wol Gerntzhcim oder Gernö-hcim) und endlich auch sogar mit Jenson. Ihmverdankt man die Ausgaben mehrerer Classiker, diealle von bleibendem Werthe sind, als des PlantuS,

Tereuz, Cicero <Is tinidus Iiottvrum et innloi'um,

CurtiuS, Tacitus, Plutarch , Appian, EusebiuSund Anderer. Sein mit Johann Manchen gedruckterVnlerius Marimus" von 1474 ist das frühestetypographische Erzeugnis! mit kleinen Anfangs-buchstaben nnd Signaturen, welches Venedig aus-zuweisen hat. Das erste mit den neuen Typengedruckte, gegenwärtig uugcmein seltene Werk istdes Michael Fernus oder FerinuS römische Ausgabevon des gelehrten Bischofs JoanncS Antonins Cam-panuS Schriften vom Jahre 1495, an deren Schlüsseman liest' (,'Ii!N'!>cterid>i5 Veuetlü impi e«snm Nomae1>er IZucliai'ium Lilder -»Iliis I^rauvlc snno (^rlslumkoSsiMls AILLVVXLV i>rid. Kai. Novemd. "

Christoph Waldarfer,

von 1470 bis 1472,

auch Valdarfer, Valdafcr nnd Valdorfer ans Ne-gcuSburg, uicht minder ausgezeichnet als seine Vor-gänger, lebte zwar nur kurze Zeit in Venedig, hataber nichts desto weniger durch Bcirath sciues Freun-des Ludovico Carbone , der sich durch Vergleichuugvon Handschriften und Durchsicht deS Satzes vordem Neindrucke nicht geringe Verdienste erworben,bis 1472 Treffliches geleistet. Es genügt, dieReden des Cicero, den Virgil, nnd vor allem denhöchst seltenen Decamerone des Boccaccio von 1471,

welchem letzteren vil-d!», IMIiotlieca 8pencer!ana

IV, 75. eine ausführliche Beschreibung widmet, hier