Druckschrift 
Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
Seite
229
Einzelbild herunterladen
 

Florenz . Die Familie Giunta. Filippo Giunta.

229

Virgil's Werken, wovon die Vorrede die Jahrzahl1471, die Schlußschrift aber 1472 hat, die Buch-druckerkunst in jenen durch die Großmuth seinerFürsten aus dem Hause Medici so berühmt gewor-denen Sitz der Musen einführte. Die AusgabederVita S. Catharinae Sencnsis", die Einigein das Jahr 1471 setzen wollen, ist sehr zweifelhaft.Einen ebenso geringen Grund von Wahrscheinlich-keit hat das Vorgeben Mcermann's, Oi-Ixin«« t)po-xi-aplncae e^p. IV. I>. 93, als sei das Doctrinaledes Alexander von Villedien das erste Buch, wel-ches auS der Werkstatt des Cennini hervorgegangen.Metro Cennini scheint als Gelehrter mehr demStudium, als der Ausübung der typographischenKunst gelebt und bei seinem Vater nur als Corrcctorgearbeitet zu haben.

Nach dieser Künstlerfamilic thaten sich durchschöne Leistungen hervor: Nicolaus Lorenz, einDeutscher aus der Diöcese BreSlan, 1477-1486;Donünico de Pistoja und Pietro de Pisa errichteteneine Officin im Kloster zn St. Jacob vor ver PortaSt. Niccolo zu Florenz , wo sie von 1476-148Zverschiedene Werke druckten; Antonio BartolomeoMiscomini, 1481-1495; FranceSco de Dino, derfrüher zn Neapel wirkte, 1481-1496; FrancescoBuoucorso oder Bonacursius, 1485-1496; AntonioFranceschi, auch de Consortibus genannt, ausVenedig, 1487-1492; Bartolomeo di Francesco,1487-1497; Jacopo Caroli, 1487-1489; PietroHonofrii, 1488 und 1489; DemetrioS Chalcondy-las ans Creta, dessen Kunstfertigkeit man die schönePrinceps des Homer von 1488, 2 Bande in Folio,verdankt, welche Maittaire I. x. 183 ausführlichbeschreibt und nicht genug loben kann; LorenzoMatthai de Morgianis und Johannes Petri ausMainz , 1490-1496; der Priester Bartholomäus ausFlorenz , 1492-1497, dessen Familienname unbe-kannt geblieben ist; Lorenzo FranceSchi de Alopa,1494-1496; Gerhard von Harlem, 1498; Leonardode Arighi aus Gesoriaco, 1499; und AndreaGhyr aus Pistoja, 1500. Unter den Letztgenanntenzeichnete sich vor allen Lorenzo, Sohn des Franzvon Alopa, durch seine prachtvolle und wahrhaftbewunderungswürdige Ausgabe von des Planudcs^S0^01^ ^SOI'KiV LMI^W^ZNN'

vom Jahre 1494, mit griechischen Scholien vonJo. Lascarls aus, welche ganz in Capitalletterngedruckt ist und zu dem Schönsten gehört, waS diegriechische Typographie je geleistet hat.

Noch machte sich in den Jahren 1497 nnd 1498eine Gesellschaft von Typographen durch zwei Werkebekannt, bei denen sie sich als Sociows e»>>idri oderV<?I I1i-!>gi,g unterzeichnete. Den höchsten Grad vonBerühmtheit erlangte

die Familie Giunta

oder Junta, auch Zonta, in der vielfachen ZahlGinnti oder Juntae genannt, welche für Florenz dasjenige war, was die Aldi oder die Manntier fürVenedig. Sie stammte nicht, wie man behauptethat, aus Lyon, sondern aus der kunstlicbcndcnArnostadt und begründete ansanglich zu Venedigund Florenz, spater zu Lyon, endlich zn Burgos ,Salamanca und Madrid sowol Buchhandlungen alsDruckwerkstätten.

Filippo Giunta,

von 1497 bis 1517,

wahrscheinlich ein Bruder des Luc-Antonio , wel-chem wir schon in Venedig begegneten, nnd einSchüler des berühmten Christoph LandinuS, kannals Begründer der Florentiner Officinen dieses Na-mens betrachtet werden. Sein erster Versuch warein kleines griechisches Werk von 66 Blattern in 4.:Llenodii ?rovei-dia " vom Jahre 1497 mit den Ty-pen des 1488 in Folio erschienenen storentinischenHomers. Nach dessen Tode 1517 setzten zuerst seineSöhne Benedctto und Bernardo und nach ihnenderen Erben die Druckerei mit großer Thätigkeitund gutem Erfolge noch über ein Jahrhundert fort.Der letzte Druck dieser Familie waren die ,,IUm«"des Michel Angclo Buonaroti, 1623. 4. Die Ty-pen dieser Officin dürfen den Vergleich mit denAldinischen nicht scheuen; nur an Mannigfalligkcitmöchten sie diesen nachstehen, ihre Cursiv aber ver-dient sogar den Vorzug; besser hingegen ist bei denAldns das Papier, die Schwarze uud die Gleichheitdes Druckes. Die von den Ginnti's herausgege-benen Klassiker werden noch jetzt von Bücherfreunden