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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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242 Paris . I. padius. C. Kadius. M.

vascosnn. F. Morel I--F. Morel II.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen:

Iodocus Badius ,

von 1493 bis 1535,

oder Josse Bade , geboren 1462 zu Asch bei Brüssel,woher der latinisirtc Name Ascensius , unter wel-chem die meisten seiner Werke erschienen. Er nannteseine Werkstatt I^elum ^scens!->num Die Vor-träge im Gebiete der schönen Wissenschaften undalten Sprachen, welche er schon zu Brüssel gehalten,setzte er als Lehrer der Universität zu Paris fortund lieferte als Typograph ebenso corrccte als ge-schmackvolle Ausgaben der griechischen uud römischenClassiker, die er mit gelehrten Anmerkungen berei-cherte. Um die typographische Kuust mit seinerFamilie auf das innigste zu verbinden, verhciratheteer seine drei Töchter Pctronclla, Johanna und Ka-tharina an drei der berühmtesten Typographen sei-ner Zeit: Michel Vascosan, Jean Noigny undRobert Elienne. Seine eigene Ofsiein aber hinter-ließ er seinem Sohne

Conrad Badius ,

von 1535 bis 1549,

der nicht minder ausgerüstet mit wissenschaftlichenKenntnissen als Drucker und Gelehrter ganz in dieFußstapfen seines Vaters trat. Harte Verfolgungendes KleruS gcgeu die Reformirtcn, denen er nachseinem Glaubensbekenntnisse angehörte, nöthigtenihn Paris im Jahre 1549 zu verlassen uud iu Genf ,wo sich seit 1541 auch Calvin befand, eine Zufluchts-stätte zu suchen. Hier schrieb er mehrere Werke,unter anderen anch eine Uebcrsetzimg der berüchtig-ten Schrift des Erasmus Alberus der BarfüßerMönche Eulcnspicgel und Alkoran" ins Französischeund veranstaltete sehr schöne Ausgaben andererWerke von Bedeutung, welche, sowie diejenigenseines Vaters unter dem Namen der Ascensiancn "noch immer hochgeschätzt uud gesucht sind. SeinSchwager

Michel Vascosan ,

von 1530 bis 1576,

aus Amicns, erwarb sich durch Correctheit undschöne Ausstattung seiner Druckwerke, als des

Theodor Gaza, Thucydides, Quintilian, Cicero ,Livius, Cäsar, Veltejus Paterculus, Horaz, Ovid ,Terenz u. s. w., aus fast allen Fächern des Wissensnicht weniger den Beifall der Gelehrten als durch Bil-dung und Rechtlichkeit die Achtung seiner Mitbürger.Im Jahre 1553 wurde er geschworner Buchdruckerund Buchhändler der Universität und 1566 könig-licher Typograph. Einer seiner beliebtesten Druckeist Amyot's Uebersetznng des Plutarch . Er starbunter der Negierung Heinrich's 111. 1576 in hohemAlter, nachdem im Verlaufe seiner 44jährigen Wirk-samkeit nicht weniger als 297 verschiedene Ausgaben,ohne die Menge von oft wiederholten Auflagen, ausseiucr Officiu hervorgegangen sind. Er ist einerder ersten Typographen Frankreichs , welcher diegothische Type mit der Antiqua vertauschte; dennobwol Gering sein erstes Werk:die Briefe desGaspar de Barzizo, von 1470" niit römischen Let-tern druckte, war doch die gothische Schrift in Frank-reich die beliebteste geworden. Seinen Rnhm, Ge-schäftstakt und nnermüdeten Eifer für die Kunstvererbte er auf seinen Schwiegersohn

Friedrich Morel I.,

von 1571 bis 1583,

oder Morelli, aus einem edeln Geschlechte in Capuastammend, welcher bei Jakob Tnsanus und in derDruckerei der Carola Guillard gebildet, durch Kennt-niß der alten und neuen Sprachen zuerst zum könig-lichen Dollmetscher uud nachher zum Hosbuchdruckerernannt wurde und in beiden Aemtern viel Treff-liches leistete. Er starb 1583. Der große Ruf,den er sich errnugcn hatte, ging auf seinen Sohn

Friedrich Morel II.,

von 1583 bis 1630,

über, der mit seltener Gelehrsamkeit ausgestattet vollglühenden Eisers das wohlbegründete Werk des Va-ters fortsetzte. Als sein Vater im Jahre 1576 dievon Matthäus Toscanus aus dem Hebräischen insLateinische übertragenen Psalmen Davids herausgab,begleitete er dieselben mit einem noch jetzt bewunder-ten Commcntare. Die Erzeugnisse seiner Presse sindsowol durch eine sorgfältige Wahl, als durch würde-volle Ausstattung Muster der Kunst und wahre