Zierden einer Bibliothek, sowie er die Zierde derTypographen genannt werden kann; denn nie hatteEiner vor ihm mehr Ehrenamter im Staate mitgrößerer Würde versehen. Er lebte so ganz denWissenschaften, daß er dieselben sogar bei der Wahlseiner Gattin zu Rathe zog, indem er Jsabcllen,der hochgebildeten Tochter des berühmten ProfessorsLeodcgar a Querin seine Hand anbot. Mitten indieser bis ins hohe Alter rüstig sortgesetzten Thä-tigkeit überraschte ihn 1630 der Tod. Außer ihmhaben sich noch Claude Morel, sein Bruder, alsHerausgeber der Werke des h. Basilius, Cyril-lus, Gregors von Nazianz und Nyssa, Epiphanius,Dionysius Arcopagita, des Justinus, Eusebius ,Archimedes und Philostratus , sowie dessen Söhne,Charles und Gilles, als geschickte Drucker ausge-zeichnet. Ob Balthasar Morelli (1580 und 1590),zu der Familie der Vorhergehenden gehörte, istungewiß. Aus ganz anderem Geschlechte stammte
von 1547 bis 1564,
in dem Flecken Le Tilleul in der Normandie vonarmen Eltern geboren, in der Officin des JeanLoniS Tilctan gebildet, Anfangs Corrector bei demLetzteren, dann Gesellschafter mit Jacques Bogardund Jacques Turnebe oder Turnebus und 1551königlicher Typograph. Er ist durch seinen gelehrtenCommentar über Cicero'S Bücher „ 6s Knidus" undmehrere andere Schriften, sowie durch seine Notenzu Hyginuö, Diouystus Areopagita, Hippolyt,JgnaiiuS, Basilius, Cyrillus und Cyprian als Ge-lehrter bekannt, und durch diese aus seiner Pressehervorgegangenen Schriften, sowie durch die schönenAusgaben des Plato, Aristoteles, Ausonius undTerenz als Buchdrucker berühmt.
Beinahe ein ganzes Jahrhundert blnhete derName Morelli unter den ausgezeichnetsten Typo-graphen von Paris . Der Ruhm der Gelehrsamkeit,sowie der Kunst war gleichsam ein Erbstück, welchesvon den Vätern auf die Söhne und Enkel übergingund sich von 1557 bis 1646 fortwahrend in ihrerFamilie behauptete, mit der sich in dieser Hinsichtnur diejenige der Eticnnes vergleichen kann. DasHaupt der Letzteren war
Heinrich Etienne I.,
von 1509 bis 1520,
der seinen Namen nach der Sitte jener Zeit in„StephannS" verwandelte, in den ersten Jahrendes sechszehntcn Jahrhunderts eine Officin begrün-dete und von 1509 bis 1520 manches bedeutendeWerk zn Tage förderte. Seine Wittwe hcirathctcden Buchdrucker Simon de Colincs oder ColinauS,welcher durch sie in den Besitz von dessen Druckap-parat gelangte. Er hinterließ drei Söhne: Robert,Franz nnd Karl, von denen sich aber besonders
Robert Stephanus I.,
von 1526 bis 1559,
durch tiefe Kunde der lateinischen, griechischen undhebräischen Sprache auszeichnete. Bei seinem Stief-vater ColinauS in der Kunst unterrichtet, gab ermit diesem vereint das Neue Testament in größererCorrectheit heraus, als es bis dahin erschienen war,welches deshalb auch von den Neformirten begieriggekauft wurde, um Beweisgründe für ihre neueLehre daraus zu schöpfen. Um 1526 trennte er sichvon seinem Stiefvater und ließ einige Jahre, nachherdie schöne Ausgabe der lateinischen Bibel von 1532mit neuen geschmackvollen Lettern ans Licht treten,welche ihm die Verfolgnng der Sorbonne zuzog,wogegen ihn nur der Schutz des Königs Franz I. und das Versprechen, ohne Zustimmung der theolo-gischen Facultät keine religiösen Schriften mehr zudrucken, zu sichern vermochte, denn schon hatte mansein Bildniß öffentlich in Paris verbrannt. Vonnun an verwendete er die größte Mühe nnd Sorg-falt auf die Herausgabe griechischer und römischerKlassiker, die er mit gelehrten Vorreden und An-merkungen begleitete. Um dabei keine Druckschlerzu übersehen, gab er kein Werk aus, ohne zuvorBogen für Bogen zur öffentlichen Correctur ausgc-hangen zu haben, wobei er für jeden entdecktenFehler eine Belohnung versprach. Im Jahre 1534erschien sein bewunderungswürdiger 1'I>ei>»uru!> li»-Auas latinÄS, welcher bald darauf dem Gesncr'schenund nach diesem vielen anderen Werken ahnlicher-Art zur Grundlage diente. Von Franz 1.1539 zumHofbuchdrucker ernannt, ließ er anf dessen Antrag