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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Paris . Heinrich Stephanns 17. Paul Stephanns.

die schönen lateinischen und hebräischen Typenanfertigen, die noch jetzt in dcr königlichen Buch-druckerei aufbewahrt werden. Nach den wegen ihrerCorrectheit beliebten Drucken dcS Qnintilian, Pli-uiuS, Justin, Cäsar, Eutrop, Lncan, AmmianMareellin , Sneton, Herodian, Valerius MarimuS,Horaz , Virgil, Juvcnal, Euscbius und Dio Cas-sius erschien 1545 die nene Ausgabe seiner Bibel,welche ihm so viele Anfechtungen der Geistlichkeitzuzog, daß er sich endlich 1552 genöthigt sah, Frank-reich zu verlassen. Er begab sich nach Genf , tratdaselbst znr resormirten Kirche über, begründete eineneue Ofsicin und gab zum Theil allein, zum Theil mitseinem Scbwagcr Conrad Vadins, noch viele treff-liche Werke heraus. Er starb zu Genf 1559 undhinterließ daS Geschäft seinem ältesten Sohne

Heinrich Stephanus II.,

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der seinen Vater ebcnsowol in dcr Kunst als anGelehrsamkeit noch übertraf. Unter Peter DanesiuS,Jakob Tusanus und Adrian Turnebus in den ge-lehrten Sprachen gebildet, gab er schon in seinemzwanzigsten Jahre Anmerkungen zum Horaz heraus,lernte hierauf die Typographie bei Colinäus, machtezur Vervollkommnung darin Reisen nach Venedig,Florenz, Rom und Neapel , später nach Großbri-tamen und die Niederlande , von wo er mit reichenliterarischen Schätzen heimgekehrt, durch den Augs-burger Patrizier Ulrich Fugger unterstützt 1557eine eigene Werkstatt begründete und die zahlreichengriechischen und römischen Autoren herausgab, diefast allen späteren Ausgaben zum Grunde gelegtworden sind und noch jetzt die Zierde der Biblio-theken ansmachcn.

Unter den von seinem Vater geerbten Papierenbefanden sich anch treffliche Vorarbeiten znr Heraus-gabe eines griechischen Wörterbuchs. Die groß-artigen Anlagen dieses Werkes setzte Heinrich mitebenso großem Eifer als tiefer Sachkenntniß fortund gab 1572 den bis jetzt noch unübertroffenen undselbst in neuester Zeit in London und Paris wiederin verbesserter, dem gegenwärtigen Standpunkte dcrWissenschaft angepaßter Form erschienenenl'bs-L-mrus üngiias gr»voae" hxrems^ ein Werk, welches

ihm sowie einen unsterblichen Namen gcwiß anchcine unabhängige Lage würde verschafft haben, wenner nicht durch seinen treulosen Gehülfen, JohannScapnla, um die wohlvcrdieutcn Früchte seinerMühe und Arbeit betrogen worden wärc. Diesergab wenige Jahre darauf ohne Norwissm seinesPrincipals ans demselben das Nützlichste nnd Branch-barste für Studirende heraus, welches einen sonachtheiligcn Einfluß auf das Originalwerk übte,daß der Verfasser, der nicht einmal die gehabtenAuslagen und Kosten bestreiten konnte, in dietiefste Armuth gerieth. Um sich neue HülsSquellenzu eröffnen, durchrciscte Heinrich Stephanns einen^ Theil von Deutschland und hielt sich balv zn Frank-i surt, bald zu Orleans , Geuf oder Lyon auf undstarb 1598 am letzteren Orte geistig zerrüttet imöffentlichen Krankenhanse. Sein Sohn

Paul Stephanus,

von 1593 bis 1626,

welcher zu Genf den Unterricht dcr gelehrtestenMänner seiner Zeit genossen und sich auf Reisengebildet hatte, trat in seiner Gebnrtsstadt als Typo-graph und Schriftsteller in die Fußstapfcn seinesVaters und veranstaltete von 1593 bis 1626 trcff-! liehe Ausgaben altclassischer Autoren, besonders derDichter und Redner. Seine Schwester Florentiahatte den berühmten Jsaak CasanbonuS zum Gatten.

Von den siebenzehn Mitgliedern dieser großcnBuchdrnckcrfamilie, deren Genealogie der e-ttslogusoIii'onoloKlcjue des librllires et <les übr-iires - !m^ri-meurs <!<; erwähnt, zeichneten sich noch aus:Charles Etienne, Roberts 1. Neffe, berühmt durch

seinHictio»»Ii'e bistoeicu»! etc. Lenevs 1546. 4.",

dann Franxois, Robert II. , Franxois II. nndRobert III. Letzterer starb 1674, achtzig Jahrealt, erblindet im Hütel- Dicu zu Paris und schloßden Kreis eines Geschlechtes, welches während 170Jahren die typographische Kunst wesentlich geför-dert hatte. Die Leistungen dieser ausgezeichnetenKünstlcrfamilie hat der berühmte Buchdrucker,Buchhändler uud Bibliograph Antoine AugusteRenonard in den^nnsles cls I'lmpilmerie <IesLtieuiies ou Iilütoire 60 la iÄmitle 6es IZtiennes et6s -es eäitlons ?sr. 1838. 8.« trefflich geschildert.