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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
Seite
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Paris . C. Wechel. A. wechel. I. Wechel. A Turnebe. F. A. Didot. 245

Eine ebenso verdiente, wenn auch weniger zahlreicheDruckcrfamilie ist diejenige der Wechel in Paris und Frankfurt a. M. und gehört demnach cbensowolDeutschlaud als Frankreich an.

Chretien Wechel,

15 2 2,

hat sich besonders durch eiue Reihe trefflich ausge-führter Werke in französischer, griechischer, lateini-scher und hebräischer Sprache ausgezeichnet, derengefällige Lettcrnform noch heute Anerkennung findet.In religiöse Streitigkeiten verwickelt und als An-hänger der neuen Lehre wegen Verkauft verbotenerBücher von dem Klerus verfolgt, sah er sich genö-thigt, Frankreich zu verlassen. Er ging mit seinerFamilie nach Deutschland und ließ sich in Frank-furt a. M. nieder, wo er bis zu seinem 1554 er-folgten Tode für seine Kunst rastlos thatig war.Die Correctheir verdanken dessen Druckwerke demwohlthätigen Einflüsse seines gelehrten FreundesFriedrich Sylburg . Ein gleiches Schicksal hattesein Sohn

Andre Wechel ,

einer der geschicktesten Buchdrucker und einflußreich-sten Buchhändler seiner Zeit, welcher ebenso wiesein Vater als Calvinist den Anfechtungen der päpst-lichen Partei ausgesetzt, 1573 Paris verlassen undauf deutscher Erde eine Zufluchtsstätte suchen mußte.Dennoch nicht entmuthigt schlug er seine Pressenzuerst in Frankfurt und später in dem nahe gelege-nen Hanau auf, wo er gegen 1600 starb.

I o h a n n Wechelist schon ganz als deutscher Typograph zu betrachten,indem er bereits im Jahre 1583 in Frankfurt nebenuud mit seinem Vater wirkte und durch uucrmüdetcThätigkeit ein Geschäft begründete, welches seineErben noch längere Zeit mit Ruhm fortzusetzen imStande waren.

Adricn Turnebe,

von 1552 bis 1585,oder, nach der Sitte der Zeit latinisirt, HadrianuSTurnebns, gehört zu den gelehrtesten Buchdruckerndes sechszehnten Jahrhunderts. Als Professor der

griechischen Sprache wurde er Typograph anö Liebezur Wissenschaft. Das erste Werk seiner Presseist die griechische Ausgabe dcSPhilo " vom Jahre1552 in Folio, welchem bald ApollinariuS, Acschi-ncs und andere Classikcr folgten. Er selbst schriebgelehrte Eommentare zum Cicero, Varro, Thncydi-des und Plato , übersetzte Aristoteles, Thcophrastund Plutarch , ferner eine Sammlung Gedichte inlateinischer uud griechischer Sprache und Streit-schriften gegen NamuS. Ausgezeichnete Männer,wie ein Henry de MesmeS, Christophe dc Thouund L'Hospital, beehrten ihn mit ihrer Freundschaft.Sein Lob verkündeten schon seine Zeitgenossen Ber-thicr, Scaliger, Montaigne, Huet. d'Avranches ,Ronsard u. A. Er starb 1535 allgemein betrauert.

Wenn wir das siebenzehnte Jahrhundert, wodie typographische Kunst in Frankreich , wie in allenandern Ländern, eher Rückschritte als Fortschrittegemacht hatte, hier mit Stillschweigen übergehen,so tritt uns um die Mitte des achtzehnten Jahr-hunderts außer den berühmten Druckern: Anisson,Rigault, Gnerin, Latour, Varbou, Coiguard,Jombert, Lambcrt uud Crapelet, eiue Familie vonTypographen entgegen, welche sich den Aldus,Giunta's, Plautin's, Elzeviren und Stcphanusnicht nur im Bücherdrucke würdig anschließt, son-dern die Schristschneide- uud Schriftgießetuust biszu einer znvor nie geahneten Höhe gesteigert hat.Es ist die Familie Didot, die noch jetzt in derschönsten Blüthe der Kraft wirkt, rastlos schafft unddie Kunst ihrer größtmöglichen Vollendung nahebringt. Der Stammvater derselben und Begründerihres gewiß alle Zeiten überdauernden Ruhmes ist

Franyvis Ambroisc Didot,

Sohn des wenig bekannten Buchdruckers Frau^oisDidot, geboren zu Paris 1730. In der Officinseines VaterS gebildet überflügelte er diesen garbald, als der Anblick der schönen Baökerville'schcnAusgaben der Classiker den Funken des Ehrgeizesin seinem Innern geweckt und zur Nachahmungbegeistert hatte. AnS seiner Hand gingen die schön-sten Typen hervor, die man bis dahin nicht nnr inFrankreich, sondern in ganz Europa gesehen hatte.Seine Antiqua zeigte ein solches Ebenmaß und eine