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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Paris .

Pierre Frimcois Didot.

Pierre Didot .

solche Zartheit und Schärft, daß sie den Charakterdes Kupferstichs nachahmt, während die früherenLettern in ihrem Abdruck mehr den Holzschnitt zurcpräscntircn scheinen. Er crsand denTypometermittelst dessen es ihm gelang den Charakteren diegenaueste und sich nie verändernde Proportion zuertheilen, ferner die gegossenen Stege und diePresse mit einem Zuge und druckte zuerst aufVelinpapier ohne Linie und Wassermarke vonfestem Körper und blendend weißer Farbe, dasnach seiner Angabe in der Papiermühle zu Anonayverfertigt wurde. Da seine Verdienste mehr derStempelschneidckunst als dem wirklichen Bücher-drucke angehören, so werden wir in der drittenAbtheilung dieses Werkes, wo von der technischenAusbildung der typographischen Kunst die Rede ist,auf ihn zurückkommen uud nennen hier nur die vor-züglichsten seiner Werke. Diese sind: die!>->sto-I'llliiv <I« I)!>l>I»>i<tL et eiilov " des Longus von 1773,die <?VI-U«!llemms lider-ltit" des Tasso von 1782, I,es i'i>r<li»s <Ie velille " vom gleichen Jahre, welcheAusgabe jedoch unvollendet blieb, die Uebersctzungdes Homer von Bitanbe von 1787-1783 und eineauf Ludwigs XVI . Befehl besorgte und für denUnterricht des Danphin bestimmte Reihenfolge fran-zösischer Klassiker in drei verschiedenen Ausgaben,Quart-, Oetav- und Sedezformat, von denen dieWerke Bossuet's , Fe'ne'lon's Telemach und die Bibelvorzugsweise bemerkt zu werden verdienen. Nichtskonnte zu jener Zeit mit diesen Drucken verglichenwerden. Auf Corrcctheit des Textes seiner Aus-gaben verwendete er die größte Sorgfalt. Seinverdienstvolles Leben schloß er am 1. Juli 1804.

Pierre Franyois Didot,

sein Bruder, hatte das Buchhandlergeschäft desVaters übernommen, eine Papierfabrik in Essonncerrichtet und sich erst später der Topographie gewid-met, brachte es jedoch in dieser Kunst ebenfalls zneiner solchen Vollkommenheit, daß er den TitelImprimeur <lo i>Ioiisieuinachmals Ludwig XVIII. erhielt. Wer kennt nicht seinen für diesen hohenGönner 1785 gedruckten relem^ue ", zwei Bandein 4., seinen Lucan, Anacharsis und Thomas aKempiS ? Er starb am 7. December 1795.

Pierre Didot ,

Sohn FraneoiS Ambroise Didot's, geboren 1761,übernahm schon 1789 von seinem berühmten Vaterdie Druckerei, vollendete zuerst die von jenem ange-fangene Sammlung für den Dauphin, faßte aberhierauf, von dem Schwungrads der Zeit getriebenund begeistert von dem Gedanken, FrankreichsVodoni zu werden, 1795 mitten in den Wirrender Revolution den Plan zu Prachtausgaben vonFrankreichs Klassikern, welche den Ruhm der Nationanch in Bezug auf technische Vollendung auf einenPunkt steigern sollten, der in den Annalen der Typo-graphie noch unerreicht dastand. Um seine Werkemit allem nur denkbaren Glänze der zeichnendenKünste auszustatten, zog er die ersten Maler undKupferstecher in sein Interesse und scheute keineKosten, das Ganze seines und des französischen Namens würdig auszustatten. Sein Virgil von1793, sein Horaz von 1799, noch mehr aber seinRacine in drei Bänden von 1801-1805 wurdenvon einer in Paris niedergesetzten Kunstjury sürdas schönste Erzeugniß typographischer Kunst allerLänder und aller Zeiten erklärt. Von den vielenwahrhaft eleganten Druckwerken, welche später ausseiuen Pressen hervorgegangen, gestattet der Raumdieser Säcnlarschrift nicht, hier ausführlich zu han-deln und ein jedes derselben nach Verdienst zu wür-digen. Dem Bücher- und Kunstfreunde sind gewißebenso wenig Lafontaine'sIdoles" als Denon'sVo^age clsns Ik büsss et Is Imute IZxvpts",Visconti's IcoiiogrÄpIus grscizue" als desselben

Icono^i'->pl>ie romaiue " uud dieOeuvres" des

Boileau, als dieHem-i-täe" des Voltaire aus derDidot'schen Officin unbekannt geblieben.

Seine Leistungen in der Schriftgießerei, manverdankt ihm allein 18 verschiedene Typcngattungen,sollen an ihrem Orte geschildert werden. AlsSchriftsteller machte er sich durch seinL«ssi äskables nouveUes" schon im Jahre 1786 bekannt,einem Buche, welches wegen der zahlreichen tech-nischen Bemerkungen für die Geschichte der Typo-graphie nicht unwichtig ist. Er schrieb die latei-nischen Vorreden zu seinem Virgil und Horaz undlieferte Uebcrsetzuugen von Lieblingsgesängen aus