Antwerpen. — Matthias van der Gocs. — O. ^ccu oder Lrrw. — <5. Plantin. 257
schon bei Utrecht angeführt und daselbst ans dessenVerdienste aufmerksam gemacht worden. Er ver-dient nebst Johann von Westfalen vor Allen indas Ange gefaßt zu werden.
Noch müssen unter Löwens frühesten DruckernConrad Braem, von 1476-1479, AegidiuS van derHeerstraten, von 1484-1488, Rudolf LoeffS, von1484-1500, Ludwig de Ravcscot 1488 und derberühmte Theodorich Mariens erwähnt werden.Ueber diesen merkwürdigen Drucker, vou dessenThätigkeit zu Löwen und Antwerpen allein zwischen1500 und 1539 man mehrere achtzig Ausgaben
kennt, hat Lambinet, „Oi-I^iiis <te I'Imi'i'imerie,
?»i-is 1810. 8. 1'vm. II., I>. 97-170." ausführlichgehandelt.
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eröffnete zwar etwaS spater als andere niederlän-dische Städte seine Pressen, hat jedoch sehr bald alleüberflügelt und kaum zwanzig Jahre nach dem Todejenes Dierik Mariens, welcher von Aalst und Löwenaus die neue Kunst 1476 mit der „Practica mrdi-cine que thcsinirus pnuvcrum nuncupatur" hiereinführte, die Aufmerksamkeit der Gelehrten in sohohem Grade in Anspruch genommen, daß diesevon allen Theilen Enropa's hier zusammenströmten,um ihre Werke dem Drucke zu übergeben. NachDierik (Theodorich) Mariens war
Matthias van dcr GoeS,
von 1482 bis 1494,der Erste, welcher seine Kunst hier ausübte. EinDruckfehler in dessen flammändischer AnSgabe desTundalus „Act Poeck »»>» Tondalicns -llisiocn",wo in der Jahrzahl »lcccei.XXU ein X ausge-lassen ist, gab der irrthümlichen Meinung Raum,als sei die Typographie schon zehn Jahre srüherdaselbst eingeführt worden. Achnliche Verstößegegen die richtigen Jahrzahlen hat Santander I,172. und 348. zusammengestellt.
Gerhard Leeu oder Leew,
von 1484 bis 1492,welcher schon seit 1477 seine Kunst zn Gouda inHolland mit großem Erfolge ausgeübt, schlug im
Jahre 1484 seine Pressen in Antwerpen auf underwarb sich durch zahlreiche, meistens mit Holz-schnitten verzierte Werke auch hier einen nicht gerin-geren Ruhm, unter welchen die älteste niederdeutscheUebersetzung der Fabeln des Aesop von 1485 sichauszeichnet. Der große Erasmus von Rotterdam,der sich damals in dem benachbarten Kloster Steinaufhielt, beehrte ihn mit seiner Freundschaft.
Claas , d. i. Nieolaus Leeu, wahrscheinlich einSohn des Vorigen, von 1437 und 1488, Adrianvan Liesvelt, von 1494-1499, Michael van Hoog-straten 1495, Gottfried Back 1496, Heinrich Eckertaus Homburg 1496, den wir 1498 in Delft wiederfinden, und Nicolans de Grave 1500 haben sich imfünfzehnten Zahrhnnderte mehr oder weniger aus-gezeichnet. Um die Mitte des nachfolgenden aber hat
Christoph Plautiii,
von 1555 bis 1589,
nicht nnr alle seine Vorgänger in Antwerpen ,sondern selbst alle seine Zeitgenossen in Holland und Belgien so sehr verdunkelt, daß seiue großartigeOfficin als achtes Wunder der Welt angestauntwurde. Zu Montlouis unweit Tours in Frankreich um 1514 geboren, mit Sprachkenntnissen nnd andernWissenschaften ausgerüstet, erlernte er wahrschein-lich in einer der berühmten Pariser Wertstätten dieTypographie, machte alsdann, um sich darin nochmehr zu vervollkommnen, viele Kunstreiscn underrichtete endlich in dem damals durch Handel undGewerbfleiß blühenden Antwerpen um 1555 eineWerkstatt, welche bald einen solchen Umfang ge-wann, daß ihr gleichzeitig keine ähnliche an dieSeite gestellt werden tonnlc. Die Anzahl seinerPressen belief sich auf zwanzig und der Lohn fürseine Arbeiter täglich über hundert Ducaten. Inallen damals iu Europa bekannten Sprachen konntebei ihm gedruckt werdcu, da die Lettern bei Plantinsämmtlich zu finden waren. Seine Drucke gehörennoch jetzt zn den typographischen Meisterwerken undzeichnen sich sowol durch äußere Eleganz hinsicht-lich der Typen, der Farbe uud des Papiers, alsauch durch die größte Correctheit aus. Um denTert möglichst fehlerfrei herzustellen, gewann erdie gelehrtesten Männer für die Durchsicht der
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