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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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314 Aſien. China.

Patras, in fruͤherer Zeit Patraͤ, einer derbedeutendſten Handelshaͤfen Griechenlands, am Ein-gange des Golfs von Lepanto, erhielt 1828 zurHerausgabe der franzoͤſiſchen ZeitungLe Courierde'Orient eine Preſſe, deren Thaͤtigkeit von nunan auch der Wiſſenſchaft gewidmet ſein ſoll.

Zu Egina(Aegina) kam 1829 derCourierde l'Orient heraus. Faſt gleichzeitig wurde auchzu Chios oder Scio, der Hauptſtadt der gleichna-migen Inſel, eine Werkſtatt errichtet und mit Let-tern aus Frankreich verſehen. Das fruͤheſte Druck-werk iſt eine Rede des Profeſſors Bambas.

Im Jahre 1822, als die Griechen, dem Rufeder Freiheit folgend, die Tuͤrken aus der Akropolisverjagt hatten, als eine Verwaltung organiſirt undSchulen errichtet waren, brachte der PhilhelleneObriſt Stanhope einen Druckapparat aus Groß-britannien nach dem beruͤhmten Emporium alterKunſt und Wiſſenſchaft Athen, welches zwoͤlf

. abgeſchloſſene geheimnißvolle Land

im nordweſtlichen Aſien, das von denEingebornendas himmliſche Reich genannt wird,verdient hier zuerſt ins Auge gefaßt zu werden. DenUrſprung der einflußreichen Kunſt, Buͤcher durchAbdruck zu vervielfaͤltigen, darf man weniger beiden Voͤlkern des Abendlandes, als bei jenen desMorgenlandes und zwar bei den Oſt- und Mittel-aſiaten, als den Chineſen, Japaneſen, Tuͤbetanernund Mongolen ſuchen. Dort ſoll nach AngelusRoccha der Tafeldruck von Buͤchern ſchon dreihun-dert Jahre vor Chriſti Geburt bekannt geweſen ſein.Die Jeſuiten aber, welche allda lebten, SpracheSitten und Kuͤnſte dieſer Voͤlker ſtudirten, zumal

Jahre darauf zur Hauptſtadt des neuen Reiches,wie dies ſchon zu Perikles Zeit der Fall war, erho-ben werden ſollte. Mit jenen Typen gab der GriechePſyllas zuerſt eine politiſche Zeitung heraus.

Aus allem dieſem gehet hervor, daß die typo-graphiſchen Erſcheinungen in Griechenland ſich aufSchulbuͤcher, Zeitſchriften und Tageblaͤtter beſchraͤn-ken, die ihr Daſein mehr dem Zuſammenfluſſe vonFremden, als der Anweſenheit der Einheimiſchenund deren Eifer fuͤr die Wiſſenſchaft verdanken; dochvermoͤgen auch ſelbſt die Zeitungen ihr ephemeresLeben ſelten uͤber ein Jahr zu friſten, ſowie dennuͤberhaupt die drei neu geſtifteten literariſchen Vereinezu Athen fuͤr Naturwiſſenſchaften, fuͤr Medicin undArchaͤologie bis jetzt mehr als nachgeahmte Beiſpieleder uͤbrigen Staaten Europa's, als aus dem Be-duͤrfniſſe und inneren Drange entſprangen, die vonNatur und Kunſt in ſo reichem Maße dargebotenenMaterialien zum Beſten der Wiſſenſchaft zu bearbeiten.

Asien.

China.

Couplet, welcher um 1659 als Miſſionar in Pekingwar und in neuerer Zeit Abel-Remuſat und RobertMorriſon ſetzen die Erfindung in das zehnte Jahr-hundert unſerer Zeitrechnung. Letzterer erzaͤhlt inder Einleitung zu ſeinem großen chineſiſchen Woͤrter-buche, das Seidenpapier ſei von Tſae-Lun gegendas Ende des erſten Jahrhunderts, die Druckkunſtaber 800 Jahre ſpaͤter von einem Staatsminiſter,Fung-Taou, mit Namen Woo-tae-jin, erfundenworden, welchen die Buchdrucker noch jetzt ebenſogoͤttlich verehren, wie die Gelehrten ihren Kon-fut-ſee oder Confucius; die fruͤheſten Verſuche desFung-Taou haͤtten darin beſtanden, daß er dieSchrift in Steintafeln eingegraben, wodurch ſie