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Die Zettelbank vor dem Reichstag : Versuch einer gemeinverständlichen Darstellung / Ludwig Bamberger
Entstehung
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daß sie dem darauf folgenden Tage mit Ruhe entgegen-gehen können.

Keine Zinsen zu verlieren, d. h. keine Baarmitttel müßigliegen zu lassen, darauf beruht das unendliche Productions-gehcimniß unserer Zeit. Um auf der einen Seite dem Zins-verluste zu entgehen, auf der andern Seite stets pürateMittel zu haben, legt sich der Geldvermittler, d. h. derBankier, laufende Wechsel zu, und der Sprachgebrauch nenntsolche Wechsel selbstDisconto", obwol dies Wort ursprünglichnur den voraus abgezogenen Zins bedeutet und auch heutenoch diesen Sinn neben jenem behalten hat. Man sagtebenso oft:Disconto steht in Frankfurt 3 Procent",

wie man sagt:Diese Firma nimmt (d. h. kauft) oder gibt(d. h. verkauft) Disconto", gleichbedeutend mit: zu discon-tirende Wechsel. Man sagt auch: Discontomäkler für denVermittler zwischen den beiden Parteien, welche einen solchenWechsclumsatz machen.

Als das Deutsche Reich nach Vorgang der preußischenMonarchie beschloß, einen Kricgsschatz in baarem Geldeniederzulegen, verlangten viele Geschäftsleute, entsetzt vondem Gedanken an eine dergestalt brachliegende Summe, mansolle sich begnügen, dieselbe in Disconto anzuschaffen undstets zu erneuern. Das Reich hat aus sehr guten Gründendiesen Borschlag verworfen. Daß er aber nicht geradezuthöricht war, ist unter anderm aus der Thatsache zu ent-nehmen, daß im belgischen Senat gelegentlich eines Bank-gesetzes von maßgebender Stelle aus gesagt wurde: die

Bank müsse einen Theil des öffentlichen Schatzes, densie verwaltet, etwa 30 40 Millionen Franken, für