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Neben Gildemeister als ausgezeichneten Vertreter derorientalischen Philologie cxzcllierte hier 1850 noch TheodorBcrgk als feiner Kenner der griechischen und römischen Lite-ratur. Man hatte ihn bom Gymnasiallehrer in Kassel nurhierher zu versetzen nötig gehabt. Aber für das Altertumund seine Ideen vermochte er uns nichb zu begeistern. SeineVorlesungen waren unendlich trocken und bestanden in ihrerHauptsache ans kritischen Textübungen und gelehrtem Klein-kram. Mir hat er das Studium der klassischen Philologieganz verleidet. Er nahm dann bald einen Ruf nach Frci-bnrg i. B. an, weil man in Hessen keinen Philologen mehrzu gebrauchen schien. In der Tat wurden allerlei Leute indie Lehrerstellen der Gymnasien eingeschalten.
Als seinen Nachfolger zwang dann Vilmar den Direktordes Kasseler Gymnasiums, Karl Fr. Weber, die verwaiste Pro-fessur anzunehmen. Weber war ein guter sächsischer Philologealten Schlages, aber für eine Professur schon viel zu alt.Vilmar wollte ihn nur von Kassel los sei», um seine Stellemit -einem gläubigen Manne zu besetzen. Dazu war einerseiner schroffsten Anhänger Dr. Piderit anscrsehen, der aberdie Stelle schließlich doch nicht bekam, da seine Frau so un-vorsichtig gewesen war, die Fenstcrvorhängc im I^ceunrbUckerimunum zu früh aufzustecken, ehe ihr Mann ernanntwar. Der Kurfürst, der vom Palais das gesehen hatte, ver-weigerte nun die Ernennung und Dr. Piderit mußte nachHauau wandern, von wo dann ein wenig brauchbarer Mannnach Kassel kam.
Der Nachfolger Bergks in Marburg konnte sich mit dessenGelehrsamkeit entfernt nicht messen. Noch schlimmer gerietder Ersatz, den der Nationalökomom Bruno Hildebrand fand.Dieser ideenreiche Gelehrte, dessen wissenschaftliche Bedeutungerst viel später voll anerkannt worden ist, hatte sich zu tiefin die politische Bewegung von 1848 eingelassen, war vonseiner radikalen Frau stark beeinflußt, 184!) mit der Linkendes Frankfurter Parlaments nach Stuttgart übergesiedelt