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pflegte er wohl zu klagen, wenn er unter anderem daraufzu sprechen kam, daß Gildemeister ohne Gruß das gemein-schaftliche Arbeitszimmer betrat und schon auf seinem Stuhlesitze und in seinen Papieren krame, ehe man nur recht zumBewußtsein davon gekommen sei. Dafür katalogisierte Gilde-meister einen ganzen Stoß Bücher und Broschüren, währendHenke um die große Tafel, auf der im Bibliothekarzimmerdie zu erledigenden neuen Bücher aufgestellt waren, herum-ging, sich die dicksten Bände aussuchte und mich dabei miteinem verschmitzten Lächeln ansehend meinte: Das fleckt besserals die dünnen Scharteken.
Kein so großer Gelehrter als Gildemeister war dessenNachfolger Caesar, aber als Geschäftsmann und bibliotheka-rischer Fachmann ihm ähnlich. Es war Caesar (geboren 1816)schwer geworden, in die Höhe zu kommen. Als Schüler K.Fr. Hermanns hatte er sich eine tüchtige klassische Bildungangeeignet, seine Kräfte aber früh verzettelt. Bergk hatteihn bei der Redaktion der „Zeitschrift für Altertumswissen-schaft" arg mißbraucht; dann war er seit 1858 mit vier täg-lichen Dicnststunden in den Bibliotheksdienst getreten.
Schon an sich nicht leicht produzierend nahmen ihm dieNebenbeschäftigungen fast alle Muße zu größeren schrift-stellerischen Arbeiten. Doch hat Bohsen in dein ansprechendenNachrufe, den er seinem verstorbenen Vorgesetzten gewidmethat, eine ganze Reihe von Publikationen von ihm nach-gewiesen. Z
Nachdem er dann endlich Ordinarius geworden war(1863), nahm er den lebhaftesten Anteil an der Universitäts -verwaltnng. Voll Eifer für alles, was seiner geliebten AlmaPhilippina zur Ehre und Vorteil gereichte, stellte er die Rück-sichten auf seine Zeit und seine persönlichen Interessen hintan,immer bereit für die Universität zu arbeiten und deren In-teressen zu fördern. Er kannte ihre Geschichte, ihre Statuten,
1) Zentralblatt für Bibliothekswesen, Band 3, S. 620 ff.