Druckschrift 
Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
83
Einzelbild herunterladen
 

83

die Tradition des Senats wie kein anderer, schwärmte daherlange Jahre für die Selbstverwaltung der Universitäten undsuchte jeden Eingriff von oben in sie abzuwehren. Dreimalwar er Rektor der Universität, viermal Dekan der philosophi-schen Fakultät, Mitglied aller möglichen Kommissionen usw.Schließlich gestand er mir aber doch einmal ein, dieSelbstverwaltung der Universitäten sei nicht mehr so wiefrüher zu behaupten, weil der Universitütsinstitutc zu vielegeworden seien; auch hätten die Professoren keine Lustund keine Zeit mehr zu umfangreichen Nebenbeschäftigungen,wie sie die Selbstverwaltung erfordere. Die Abnahme desSinnes für eine Tätigkeit, die über den nächsten Bernshinausgeht, schmerzte ihn dennoch tief und er stemmte densich mehrenden Eingriffen von Oben in Univcrsitätsangelegcn-heiten sich stets entgegen.Diesmal bekomme ich wohl einebessere Note als sonst," sagte ihm darum einmal beim Ab-schied von Marburg ein Miuisterialrefereut, als er währendseiner Anwesenheit keine neuen Veränderungsvorschlägc ge-macht hatte.

Unter der Vielgeschäftigkeit Caesars hatte natürlich dieBibliothek auch etwas zu leiden: Manches UniversitätsProgrammist auf der Bibliothek entstanden. Da er jedoch rasch arbeiteteund stets von großem Eifer erfüllt war, blieben doch dieDinge in gutem Gange. Erst nachdem er seit 1874 einzigerChef geworden war und das Alter und die langsam sichvorbereitende Auszehrung ihn körperlich heruntergebracht hat-ten, gingen auch die Leistungen der Bibliothek zurück.

Ich habe wenige Männer kennen gelernt, die so inihrem Berufe aufgegangen wären wie Caesar. Da er kinder-los war und seine Frau ihm alle Sorgen des Haushaltsabnahm, lebte und webte er nur in seiner vielgestaltigenamtlichen Tätigkeit. Gerade und ehrlich, voll Wohlwollengegen alle Menschen wie auch seine Beamten, konnte ich ihmnie anf die Dauer böse werden, selbst als er meine persön-lichen Interessen aus Rücksicht anf seine geliebte Univcrsitäts-

g*