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Unrecht sah man in weiten Volkskreisen mit größter Ver-wunderung die tüchtigsten Beamten und Militärs zurück-gesetzt und erblickte hierin einen weiteren Grund, sich der Op-position anzuschließen.
Ganz uninteressiert war diese letztere übrigens in man-chen ihren Vertretern auch nicht. Die Verfassung von 183l,und was mit ihr zusammenhing, hatte den Staatsbeamtennicht nur vielfachen Schutz gegen Willkürregimcnt von obenverliehen, sondern sie auch mit vielfachen Rechten ausgestattet,deren sie sich 1830 nur in wenigen deutschen Staaten ingleicher Weise erfreuten. Es war für Pensionen, für Wit-wengehälter usw. den Zeiten nach besser gesorgt als anderswo.Das führte die Beamten natürlich auf die Seite der Oppo-sition, deren Grundsätze ja dem herrschenden Geist der Zeitentsprachen. Überzeugungen und Interessen wirkten zusam-men, um die Widerstandskraft des Volkes gegen die reinegoistischen, das Gemeinwohl schädigenden Tendenzen desHerrschers zu stärken. Nicht wenig trugen dazu auch diePersönlichkeiten bei, mit denen der Landesherr seine Plänedurchsetzen wollte: die Werkzeuge, die er sich wählte und nieanders wie als Werkzeuge ansah und sie darnach behandelt hat.In einem kleinen Staate, wie Knrhessen, kannte man ja solcheMenschen von Jugend auf; man war daher imstande, sieauf ihre sittliche Würdigkeit und ihre Fähigkeiten richtig zubeurteilen. Das Gesamturteil lautete aber wenig glänzend, sogeneigt man auch war, die geistigen Fähigkeiten einzelner vonihnen hoch einzuschätzen.
II.
Unter ihnen zählte an erster Stelle Hans Daniel Has-senpflug, ein herrschsüchtiger, Politischer Abenteurer und legi-timistischer Don Qnixote. Diesen Mann hier zu schildern,der einer der anerkanntesten Persönlichkeiten aus der Zeitder Politischen Reaktion des neunzehnten Jahrhunderts war,und nächst dem Kurfürsten selbst am meisten znm Untergänge