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der Selbständigkeit des alten hessischen Staatswesens bei-getragen hat, ist überflüssig, nachdem Heinrich v. Sybel in einen:seiner glänzendsten und unbefangensten Essays auf Grundder sämtlichen politischen Akten nnd persönlicher Erfahrungsein Porträt schon im Jahre 1893 für die Nachwelt ge-zeichnet hat.') Nur eine kleine Illustration zu dem Bildedes unparteiisch auf ganz vergangene und schon für vieleunserer Zeitgenossen in gewisse unsichere Beleuchtung hinab-gesunkene Tage zurückblickenden Historikers mag hier geliefertwerden.
H. v. Sybel erzählt unter anderem, daß der Kurprinzseinem Premier „in: stillen gern Schabernack angetan habe"und ihn 1837 endlich vor einer Anzahl von Stallmeisternund Stallknechten wegen seiner Dummheit und Flegelei aus-führlich beschimpft habe. Beiläufig bemerkt, soll derselbe Herr1866 iu Anwesenheit seines Stallmeisters auf dem Bahnhofunmittelbar vor seiner Abreise nach Stettin seinen letztenMinistern eine ganz gleiche Szene aufgeführt haben, bei dersich der Stallmeister entfernen wollte, aber von: Kurfürstenzurückgehalten wurde. Die submisse Einrede des MinistersAber, der an die treuen Dienste erinnerte, soll nur den Zorngesteigert haben. Ob H. v. Sybel zu den: Schabernack dasfolgende Stücklcin gerechnet hat, weiß ich allerdings nicht.
Hasscnpflug war bekanntlich mit einer Schwester derGebrüder Grimm in erster Ehe verheiratet. Früh Witwergeworden, wollte er sich mit einer Tochter des hessischen Adelsverbinden und wählte hierzu ein Fräulein v. Münchhausen,die sich als eine ausgezeichnete Frau bewährt hat. Um ihreKinder erziehen zu können, hielt sie als arme Witwe in densechziger Jahren einen Studententisch. — Hasscnpflug begannals Minister den: jungen, üppigen schwarzen Mädchen aufeinen: Hofball die Kur zu machen, was natürlich von den
l) Vortrüge und Abhandlungen. Mit einer biographischenEinleitung von C. Varrentrapp (München u. Leipzig 1897), S. 216.