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hatte dienen sollen, immer stärker zu einer rein sozialistischenwurde. Das trat namentlich auf dem demokratischen Kon-gresse hervor, der im Sommer 1848 in Frankfurt unter derÄgide Julius Fröbels abgehalten wurde und auf dem diegeistigen Häupter der heutigen Sozialdemokratie, die Marx,Engels usw., den Ton angaben. Stand Bamberger damalsden sozialistischen Ideen nicht so abweisend entgegen als später,nachdem er Lebenserfahrungen gesammelt hatte, so berührteihn doch schon damals der „herausfordernde kalte Diabolis-mns" der Marxisten peinlich. Ihm gegenüber fühlte er sichin Mainz unter seinen leichtlebigeren radikalen Landsleutenweit wohler und zog sich deshalb bald darauf nach Mainz zurück. Die „Mainzer Zeitung" geriet wieder ganz unterseinen Einfluß, und der demokratische Verein, den er auf demplatten Lande weit verbreitete, Ivar das vorzüglichste Feldseiner Tätigkeit. Die besten Früchte davon hat er einMenschenalter laug zu genießen gehabt. Denn der sonst sozerrissene, aus kurmaiuzischen und pfälzischen, also auch kon-fessionell verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzte Wahl-kreis Bingen-Alzey , blieb Bamberger bis zur Niederlegungseines Reichstagsmaudates unverbrüchlich treu. Auch an demTurnwescn beteiligte sich der loenig zur praktischen Turnereigeschickte Agitator. Er präsidierte sogar einer großen deutschenTurnerversammlung in Hanau und hielt in Mainz bei derÜbergabe einer Fahne, welche die Mainzerinnen dem Turn-verein gestickt hatten, eine große Rede, die wie wenig andereden Umschwung der Zeiten, den wir seitdem erlebt haben,uns verdeutlicht. Für das Großherzogtum Hessen und speziellMainz machte sich dieser in seinen Anfängen schon seit demAugust 1848 recht deutlich fühlbar. Die vertrauensseligenKonstitutionellen in Darmstadt hatten zum Regierungspräsi-denten in Mainz den Freiherrn von Dalwigk ernannt, einender eifrigsten aller Reaktionäre, der dann das Großherzogtumvon 1850—71 im ultramontauen, undeutscheu Interesse regierthat. Natürlich bekam Bamberger sogleich Händel mit ihm,