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der Abgeordnete zum Frankfurter Parlamente, Franz Zitz dessen nominelles Haupt blieb. Doch fand Bamberger inMainz auch so nicht das ihm zusagende Terrain für seinenpolitischen Tätigkeitsdrang. Er siedelte nach dem benachbartenFrankfurt als parlamentarischer Berichterstatter der „MainzerZeitung" über. Fünfzig Jahre später hat er noch ausdrücklichbezeugt, daß er durch seine Tätigkeit im demokratischen Vereine"und in der Panlskirche „sich für das Politische Leben eingeübtund für alle Folgezeit den Grund gelegt habe!" Durch seinLeben in Frankfurt kam der junge Journalist in Verbindungmit den hervorragendsten Mitgliedern der linken Seite desParlaments. Die meisten dieser Beziehungen sind für ihnvon dauernder Bedeutung geworden. Denn geriet er mitihnen zum guten Teile später auch in starke politische Diffe-renzen, so blieb er doch „von feiten des Gemütes immer un-empfindlich für solche Divergenzen, aber oft ohne Gegenseitig-keit". War ihm jemand einmal nahe gekommen, so hielt eran ihm fest. „Denn das stille persönliche Urteil ist eben inder Welt viel freier als alles, was mit der Öffentlichkeitzusammenhängt". Und wie manchem dieser alten Bekanntenhat Bamberger später unter die Arme gegriffen, wenn sie inVerlegenheiten waren!
Doch ich kann hierfür, wie auf so vieles andere, dasfür die Gesinnung des vermeintlich „herzlosen Manchester-mannes" charakteristisch ist, nur auf die „Erinnerungen"verweisen.
Nachdem der Erzherzog Johann von Österreich an dieSpitze der Provisorischen Reichsgewalt berufen worden war,schwand für Bamberger das Interesse an den parlamenta-rischen Verhandlungen in Frankfurt : die Hinfälligkeit desganzen dortigen Treibens war ihm schon znr „unerschütter-lichen Gewißheit" geworden. Gleichzeitig machte er noch eineandere ihm unangenehme Entdeckung. Er mußte sich über-zeugen, daß die radikale, republikanische Bewegung, die ihmbisher nur zur Herstellung eines nationalen Einheitsstaates