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politische Reife seiner Landsleute stutzig machen können.Überall regten sich die Gelüste der Interessenten, die Kultur-mittel der Neuzeit, wie Eisenbahnen, Schleppdampfer, ja diefreie Rheinschifffahrt usw. zu beseitigen. So lebhaften Ein-druck das auf den jungen Freiheitsschwärmer machte, so wenigbeirrte es ihn zunächst in seinen Ansichten über die großenFragen der Zeit. Nachdem er schon zweimal im engerenKreise demokratischer Abgeordneter in Frankfurt improvisierteAnsprachen gehalten hatte, trat der Redakteur der „MainzerZeitung" am 16. April zum ersten Male in einer großenVolksversammlung seiner Vaterstadt als Redner auf. Eshandelte sich um den Wahlmodus der zur Frankfurter National-versammlung zu entsendenden Deputierten. Obwohl nichtförmlich zu einer Rede vorbereitet, strömten dem jungenVolkstribunen, der zweimal in die Debatte eingriff, die Ideendoch frei und wohlgefaßt zu. Die Versammlung entschiedsich besonders auf seine Ausführungen hin für die republi-kanische Ausgestaltung des zukünftigen deutschen Einheits-staates. Damit hatte er, der mit einem Schlage ein populärerMann in Mainz geworden war, seine Politische Stellung fürdie nächste Zeit festgelegt. Eine Reaktion gegen die immerstärker hervortretende republikanische Tätigkeit des jugendlichenJournalisten blieb dann auch nicht aus. Die behäbigen,„wohldenkenden" Bürger der Stadt waren mit den über-spannten Freiheitsideen des jungen Mannes, der noch nichteinmal das aktive oder passive Wahlrecht besaß, nicht einver-standen. Der Verleger der „Mainzer Zeitung" sah es dahergern, daß sein Redakteur ihm, auch um ihn nicht in fort-währende Konflikte mit dem Schwiegervater Jaup in Darm-stadt zu bringen, freundschaftlich kündigte. Eine neueZeitung gemäßigter, konstitutioneller Richtung war schon gegenihn ins Leben getreten. Um der demokratischen Partei dasbis dahin unbestrittene Übergewicht zu erhalten, mußte sie sichjetzt besser organisieren. Es wurde daher ein „demokratischerVerein" gegründet, dessen Seele Bamberger wurde, während