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da er dessen ganzes Wesen sofort durchschallte. Diese habensich fortgesetzt, bis der Minister schließlich doch 1871 derMacht der veränderten Verhältnisse erlag.
An dein unseligen sogenannten Psingstweidcnanfstande, dernach dem Abschlüsse des Malmöer Waffenstillstandes im September1848 in Frankfurt ansbrach, war Bainberger nicht beteiligt.Doch übten dessen Folgen eine Einwirkung auf seine Geschicke.Mehrere seiner politischen Freunde, darunter Zitz und I. Fried-rich Schütz, der Vorsitzende des demokratischen Vereins inMainz und Mitredaktcnr der „Mainzer Zeitung", warenflüchtig geworden. Die von ihnen geleistete Arbeit mußte nunBainberger ganz übernehmen. Das führte ihn auch nachBerlin , wo im Oktober der demokratische Kongreß zum zweitenMale zusammentrat. Nachdem auf ihm der erste PräsidentFein den Vorsitz niedergelegt hatte, mußte ihn Bainbergerübernehmen. Nur mit Mühe konnte auch er die parlamen-tarische Ordnung einigermaßen aufrecht erhalten. Sozialistischeund anarchistische Elemente drängten sich rasch so stürmischhervor, daß der Vorsitzende froh war, aus dieser Gesellschaftauszuscheiden, nachdem er bei einer wichtigen Abstimmung inder Minderheit geblieben war. Die Versammlung löste sichdann von selbst auf.
Immer mehr häuften sich die Zeichen des Abstcigcnsder revolutionären Flut des Jahres, immer stärker erhobendie Gewalten, die in dem Frühjahre sich selbst kopflos auf-gegeben hatten, wieder ihre Häupter. In Berlin wurde dieNationalversammlung nach Brandenburg verlegt, in Wien derAufstand blutig niedergeschlagen und Robert Blnm stand-rechtlich erschossen. Diese Tat verbreitete nicht sowohl Schreckenunter den Radikalen Deutschlands als eine furchtbare Wutgegen die Reaktion und deren Trägerin, die Monarchie. DieserEmpfindung gab auch Bainberger in einer leidenschaftlichenRede Ausdruck, welche er am Abend des 15. November inMainz vor einer großen Trauerversammlnng fast improvisiertHielt. So pathologisch den kühlen Leser von heute diese Rede