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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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sozialen Lebens, seines Verkehrs mit den alten Freunden,H. B. Oppenheim und M. Hartmann, nnd allem andern,was sich hieran knüpfte, anhebt. Denn wenn er auch mitganzem Ernste, großem Fleiße nnd gutem Erfolge alle ihmanfgetragcucu uud selbsterwählten Obliegenheiten seiner Stel-lung im Bankhause erfüllte, sein Sinn war doch mehr inden literarischen und künstlerischen Interessen befangen alsin den rein geschäftlichen. Daher nimmt auch in denErin-nerungen" die Schilderung jener einen so breiten Raum ein.Nicht als ob er von seiner Tätigkeit im Geschäfte gering ge-dacht hätte! Im Gegenteil! Er wußte die geistigen Kräfte, diezu einer erfolgreichen kaufmännischen Tätigkeit im großenSthlc erforderlich sind, sehr wohl zu schätzen. Niemand hatden Handelsstand gegen sozialistische Weltverbesserer, hoch-mütige Aristokraten und die Weisheit der Gelehrten undBüreaukraten so zu vertreten gewußt wie er. Aber nebenseiner Arbeit um materiellen Gewinnes willen wollte er sichvon seinen Studien uud höheren Genüssen nicht abdrängenlassen. Dazu suchte er in den besten literarischen und artisti-schen Kreisen der Seinestadt persönlichen Umgang nnd fandihn zur Genüge. Daß ihm das gelang hatte er nicht demLuxus zu verdanken, mit dem er die französischen Gelehrtenund Künstler bei sich bewirtete. So etwas konnte nur seinOnkel, bei dem z. B. Lamartine sehr hoch in der Kreidestand. Er selbst war nach den ersten sechs Jahren, in denener mit an der Spitze eines reichen Bankhauses gestandenhatte, nochein armer Schlucker". Denn er hatte nur einefixierte Jahrcscinnahme von 12 000 Fr. Nach acht Jahren,von denen er drei Jahrelang dem Geschäft fast ganz alleinvorgestanden hatte, betrug sein Vermögen nicht mehr als77 000 Fr. (Er. S. 407.) Als bessere Zeiten gekommenwaren und er einen größeren Geschäftsanteil erhalten hatte,hob sich dann sein Wohlstand so rasch, daß er bei seinerRückkehr nach Deutschland 1867ganz gut von seinen Rentenleben konnte". Das Hans Bischoffsheim machte eben nicht