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allerlei fragwürdigen Angeboten Gelder herauszuschlagen, wäh-rend der solide deutsche Kaufmann zufrieden sei, wenn ihmdie Bureaukratie und die Zollgesetzgebung nicht allzu großeHindernisse in den Weg lege. Er sei bisher gut vorwärtsgekommen und werde bei dem großen Ansehen des DeutschenReiches und seines Kanzlers auch ferner ohne territorialeBesitzungen des Reiches in fernen Weltteilen vorwärts kom-men. Die Welt sei überdies ziemlich aufgeteilt, alle gutenund fruchtbringenden Länder seien in festen Händen, und nurungesunde oder unfruchtbare Landstrecken noch zu besetzen.Unsere gesamte streng geregelte Verwaltungsorganisationmitsamt der Oberrechnnngskammer sei auch 'für Kolonial-nnternehmungen wenig geeignet.
Mit der Kolonialfragc verquickte sich nun sofort nocheine andere. Um die Verbindung mit den seit 1884 in Be-sitz genommenen Landstrichen in Afrika und weiter mit Ost-asien und Australien zu heben, hatte die Reichsregiernng diesogenannte Postdampfervorlage eingebracht. Nach ihr solltenfür die Dauer von 15 Jahren jährlich bis zu 4 MillionenMark Subventionen aus Reichsfonds an Privatgesellschaftengezahlt werden dürfen, welche sich verpflichteten, alle Monatevon Hamburg oder Bremen Dampfer nach bestimmten Hafen-plätzen jener entfernten Länder abgehen zu lassen. Über dieseVorlage fand im Juni 1884 eine große Debatte im Reichs-tage statt, in die auch nach einer Rede Bambergers derReichskanzler eingriff. Bamberger wollte die Reedereien nichtverstaatlicht wissen, wie man die Eisenbahnen verstaatlichthabe, und berief sich auf Frankreich , wo derartige Subven-tionen nur zur Verschleuderung von Staatsgeldern geführthätten. England mit seinem ungeheuren Kolonialreiche zahlekaum mehr an derartigen Subventionen, als jetzt für die vielgeringeren deutschen Handelsintcrcsscn verlangt würde. Hier-über kam es nicht nur im Plenum des Reichtags, sondernnamentlich in der Budgetkommission, der Bamberger angehörte,zu sehr lebhaften Auseinandersetzungen, die sich über das