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ganze Feld der Kolonialpolitik ausdehnten. Bismarck sah inder Opposition gegen sie, wie immer, nur persönliche Motivedurchblicken und bekämpfte die FraktionsPolitik, die er der Na-tionalpolitik entgegenstellte, lebhaft. Als ob Bambergcr einFeind nationaler Handelsintcrcsscn gewesen wäre! Doch wür-den diese Debatten nicht mit einem ganz negativen Resultateabgeschlossen haben, und die Vorläge wäre nicht im Schoßeder Kommission begraben worden, wenn Vertreter der Staats-regieruug den Fürsten Bisinarck nicht noch in ihren An-griffen auf die Opposition übertrumpft und offiziöse Zeitungennicht ganz entstellte Berichte über die Kommissionsvcrhand-lungeu gebracht hätten. Denn mit dem, was Bismarck selbstdamals als die Aufgaben und Ziele seiner Kolonialpolitikhinstellte, erklärte sich die Opposition ausdrücklich durchauseinverstanden.
Zu einer fast noch lebhafteren parlamentarischen Er-örterung der deutschen Kolonialpolitik als im Jahre 1884kam es dann im Januar 1889. Mittlerweile hatten sich dieFlaggenhissungen deutscher Kolonialfreunde in Afrika, Asien und Australien ins Ungemessene gesteigert, und schon hatteman traurige Erfahrungen mit derartigen Besitzergreifungen,die unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt wordenwaren, gemacht. Aufstände waren in West- und Ostafrika ausgebrochcn und der Streit mit Spanien über die Karolinen -uud Palao-Jnseln hatte zu der nicht gerade für Deutschland sehr ehrenvollen Entscheidung des Papstes geführt. Bismarckselbst gab zu, daß eine Änderung in seiner Kolonialpolitikeingetreten sei; er sei von Haus kein Kolonialmensch gewesen,habe gerechte Bedenken gehabt>) und nur vor dem Druckder öffentlichen Meinung kapituliert und sich untergeordnet,das empfehle er auch dem Abgeordneten Bambergcr zu tun.Dieser, den Bismarck wieder in längeren Ausführungen an-gegriffen hatte, ließ sich nicht hierzu herbei. Wahrscheinlich
1) Siehe oben S. 2!>2.