Druckschrift 
Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
265
Einzelbild herunterladen
 

265

er am 22. Juli 1893 seinen siebzigsten Geburtstag feierte,ehrten ihn seine politischen Freunde und angesehene Korpora-tionen durch festliche Grüße und Adressen. Die volkswirt-schaftliche Gesellschaft in Berlin und der Verein für Handelsfreiheitüberreichten ihm eine silberne Votivtafel und 23 deutscheHandelskammern schickten eine kunstvoll ausgeführte Adresse,deren Deckel mit dem Wappen ihrer Städte in Gold, Silber undEmaille geziert war. Vielen Privatpersonen, die unter demDrucke Bismarcks und der von ihm geschaffenen Verhältnissezu leiden hatten, galt er als ein zuverlässiger Vertrauensmannin delikaten und schwierigen Lagen. War er den Antisemitenein Dorn im Auge, so schätzten ihn die von ihnen Verfolgtenum so höher. Selbst ihm persönlich ganz Fernstehende wen-deten sich an ihn um Beistand. So fuhr z. B. der bekannteDr. Geffken nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis direktbei ihn: zu einer Besprechung vor, obgleich er nie Beziehungenzu Bambergcr gehabt hatte. Und noch weit höher stehendeKreise bedienten sich seines Rates. Als der unglückliche KronprinzFriedrich Wilhelm in Sau Remo schmachtete, stand Bambergermit dessen Umgebung in lebhafter Korrespondenz, die untereiner Deckadresse über London ging. Wenn einmal das Tage-buch, welches er über die Vorgänge der Jahre 1887 und1888 geführt hat, veröffentlicht werden wird, dürften sichermanche interessante Aufschlüsse über dunkle Vorgänge dieserZeit aus Licht kommen. Auch die Gesandten auswärtigerMächte in Berlin konsultierten ihn gelegentlich vorsichtig durchihre Attaches.

Das persönliche Vertrauen, das Bamberger so entgegen-gebracht wurde, die Freundschaft und Hochschätzung, welche erin geistig hochstehenden Kreisen der guten Gesellschaft genoß,konnten ihn jedoch nicht für das Unbehagen entschädigen, dasihm die Veränderung der allgemeinen Richtung des öffent-lichen Lebens in Deutschland einflößte. Er hatte sich eineandere Entwicklung der Dinge gedacht, als er hoffnungsfreudigwieder nach Deutschland zurückkehrte.Es war die Zeit des