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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
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Fahrt mit dem deutschen Hauptquartier nach Frankreich undseinem Verkehr mit dem Fürsten Bismarck in Versailles er-zählt (Ges. Schr. I, 417). Über Fragen der aktuellen Politik,über die er sich ein Urteil zutraute, z. B. über das Ver-hältnis Frankreichs zu Rußland , sprach er sich (Ges. Schr.k, 453) aus; auch setzte er seineWeihnachtsbriefe" fort, welcheseit 1888 zur Freude zahlreicher Leser und Leserinnen dieWochenschriftDie Nation" gebracht hatte (Ges. Schr. I, 5).DaS Wort Corncillcs, das er dem ersten dieser Essays:DieKunst zu schenken", als Resume vorgesetzt hat:Un kn^oir ckoclonner vnut iriieux cjue ce cpa on clonne", könnte man auchals Motto für alle diese reizenden Feuilletons vorschlagen.Denn sind die Ideen, Reflexionen und Maximen, die Bam-berger in ihnen entwickelt, Früchte eines feinen und hoch-gebildeten Geistes, der vieles selbst erlebt und gelesen hat,das Schönste an ihnen ist doch fast die reizende Form, inder er sie uns nahe bringt. Neckisch und launig, mitAnekdoten und Anspielungen durchsetzt, die der erlesenstenLiteratur entlehnt sind, trägt er uns hier keine tiefgründigenWahrheiten, wohl aber fein abgewogene Lehren einer Lebens-weisheit vor, die die Grundlage einer hohen geselligen undsozialen Kultur bildet. Und das in einer Fassung, der die Ar-beit des Heransholens und Ziselierens der Gedanken nicht mehranhaftet, und die, von leichten Arabesken humorvoll umrahmt,wirklicher Grazie voll ist. Ich wüßte nichts in der deutschen Literatur, das diesen nicht gesucht geistreichen, wohl abergeistvollen Plaudereien ebenbürtig wäre.

Die umfangreichste und wichtigste Arbeit, die Bambergerin den letzten Jahren seines Lebens begonnen, leider abernicht vollendet hat, sind jedoch die 1899 nach seinem TodeerschienenenErinnerungen". Führen sie doch die Erzählungseines Lebens nur knapp bis zu seiner definitiven Rückkehraus Frankreich herab. Er hat sie 1894 zu schreiben be-gonnen. Ursprünglich wollte er keine Autobiographie geben,sondern nur znr Einführung in seine Schriften einige Ab-