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schnitte seines Lebens ausführlich behandeln. Als er aberdaran kam, wuchs ihm unter der Hand der Stoff doch zueiner, wenn auch nicht regelrechten und gleichmäßig gehal-tenen, Erzählung seines Lebens aus. Mit großen Unter-brechungen hat er vier Jahre lang in Berlin und Jnterlakendaran geschrieben, wie er Zeit und Laune fand. Die letzteFeile hat er nicht an sie gelegt und nur einzelne kleine Ab-schnitte aus ihr, die er schon bei Lebzeiten in der „Nation"veröffentlichte, sind stilistisch vollkommen ausgearbeitet. Dengroßen Rest hat dann P. Nathan, ohne Veränderungen andem Texte vorzunehmen, aus der Handschrift pietätvoll her-ausgeben können.
Sind diese „Erinnerungen" ein wertvolles Dokumentfür die Zeitgeschichte, insofern die Stimmung eines großenTeiles des deutschen Volks in der Jugendzeit ihres Verfassersdaraus uns aufs deutlichste entgegentritt, entrollen sie unsferner höchst treffende Kulturbilder aus dem Pariser Lebender Glanzzeit des zweiten Kaisertums, so sind sie für jeden,dem die innere Entwicklung einer so eigenartigen Persön-lichkeit wie die Bambergers ein interessantes Problem ist,doch noch wichtiger. Denn in ihnen gibt er sich ganz wieer war. Nicht als ob sie Konfessionen und intime Bekennt-nisse enthielten. Diese abzulegen, war nicht in seiner Absicht.Moralische Nuditäten zu zeigen, ist geschmacklos; sein eigenesIch dramatisch vor den Augen des großen Publikums inSzene zu setzen, dazu war der Lebenskünstler Bambergernicht angetan; und Zynismen niederzuschreiben, wie z. B.H. Leo und K. Vogt das fertig gebracht haben, lag außer-halb seiner Natur und Bildung. Mit der Wahrhaftigkeithat er es darum aber erst recht genau genommen. Wie ernicht davon abzuhalten war, aus Parteirücksichten die Narr-heiten und die Erbärmlichkeiten des ganzen Pfälzeraufstandesim Jahre 1849 sofort nach dessen Zusammenbruche un-barmherzig aufzudecken, sondern die volle Wahrheit über ihnsagte, so hat er auch in den „Erinnerungen" die Zu-
Hartwig, Aus dem Leben. 18