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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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namhaftes Mitglied des Herrenhauses tat, als Bismarck hierüber die deutsche Politik Preußens sprach:Nun will er unsgar noch einreden, daß es eine deutsche Politik gäbe; ichkenne nur eine preußische." Und doch, trotz dieses Zusam-menstoßes geht Graf Bismarck in den meisten Fragen derinneren preußischen Politik mit seinen Gegnern in der deutschenFrage; trotz prinzipieller Differenzen der weitgehendsten Artwerden alle höheren Verwaltungsämtcr jetzt wieder nur mitMännern besetzt, deren beste Eigenschaft die ist, daß sie derKreuzzcitungspartei angehören! Nur im ersten Anlauf von1866 wurde vorzugsweise auf Tüchtigkeit und BrauchbarkeitRücksicht genommen. Für Ministerposten werden auch aller-dings jetzt noch nur Männer auserkoren, welche die deutschePolitik der Regierung zu unterstützen geneigt und geeignetsind. Die Umgestaltung Preußens und Deutschlands soll of-fenbar mitKreuzzeitungsmaterial" bewerkstelligt werden.Was dabei bisher herausgekommen ist, darüber gestatten Siemir in meinem nächsten Brief Ihnen zu schreiben.

II.

Die Tugend der Mäßigung kennen ausgesprochene Partei-regierungen nicht. Denn in demselben Maße, als diese Tugendsich geltend macht, tritt die Parteiregierung zurück. Darumkönnen wir auch unserer Regierung nach den Ereignissen von1866 nicht vorwerfen, sie sei eine reine Parteiregierung ge-wesen. Mögen manche den Grafen Bismarck deshalb besondersbewundern, daß er in Nikolsburg fast der einzige Mensch ge-wesen sei, den die Erfolge der Peußischen Waffen nicht be-rauscht hätten und der den Feinden den Frieden zn annehm-baren Bedingungen geboten habe, mir ist er noch größer er-schienen, als er nach dem Friedensschlüsse mit Österreich nunauch Frieden in Preußen zn stiften sich anschickte. HätteGraf Bismarck nicht das Ganze im Auge gehabt, souderuuur das Interesse der Partei, aus welcher er selbst hervor-