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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
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einzigen Maßstab für ihr politisches Urteil abgibt, sondernnnser Volk als ein ganzes ansehen, für dessen Zukunft wirmit verantwortlich sind. Und wollen wir darum unser Vater-land nicht schutzlos werden lassen, so wollen wir es auchnicht in eine Bahn drängen sehen, auf der es die teuerstenGüter seiner Vergangenheit verlieren muß und in einenbureaukratischen alles gleich machenden Mechanismus ein-gespannt wird, der die Freiheit unseres geistigen Lebens durchpfäffischen Druck und Einführung einer Art von militärischerZucht in alle Gebiete des Volkslebens ertöten möchte. Hier-gegen sich auf das Schärfste zu erklären und der Befreiungvon Zentralisation und Einschnürung der Schule und Kirchein unerträgliche Fesseln energisch das Wort zu reden, hat dienationale Partei um so mehr das Recht Ivie die Pflicht, alssie ja noch immer fast ausschließlich auf eine Geltendmachungihrer Überzeugungen durch das geschriebene wie gesprocheneWort beschränkt ist und sie selbst, ohne tätlich eingreifen zukönnen, es gar oft mit ansehen muß, daß das, was sie seitJahren angezettelt und in den Gedanken unseres Volkeslebendig verknüpft hat, von der Regierung rücksichtslos wiederin seinem inneren Zusammenhange auseinander gerissen wird.

Würde aber so unsere Partei auf der einen Seite zeigen,daß ihr zur Erreichung des nationalen Zieles nicht die Spfer-frendigkeit abgeht und sie auch den Mut hat, weitverbreiteten,auf nur materielle Verbesserung des Volkswohlstandes ge-richteten Bestrebungen entgegenzutreten, auf der anderen da-gegen ebenso bestimmt bekunden, daß sie nichts gemeinhat mit einer Richtung, welcher die gesamte moderne Kultur-entwicklung ihrem inneren Wesen nach ein Greuel ist, sowird ihr die Zukunft, und zwar eine große Zukunft gehören.Um aber zu ihr aus der drückenden Gegenwart zu gelangen,um die Gefahren zu vermeiden, die von rechts und linksdrohen, bedürfen wir nicht nur guter Programme, sondernauch guter Ausleger derselben. Nicht als ob wir Mangelan Männern hätten, die nicht geistig befähigt und kenntuis-