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bedurfte er natürlich tatkräftiger und rücksichtsloser Helfers-helfer, die er auch in den Hasscupflug, Scheffer usw. fand.Aber diese Männer hatten auch ihren eigenen Willen und so-fehlte es nicht an Zusammenstößen mit ihnen, die der Kur-fürst um so lebhafter empfand, als sie ja ihm theoretisch diefürstliche Allgewalt seinen übrigen Untertanen gegenüber recht-fertigten. Da er nun im Laufe der Jahre neben dein Streitemit seinen Landständen anch noch fortwährend Konflikte mitseinen Ministern zu bestehen hatte, sich schließlich nach derWiederherstellung der Verfassung von 1831 von der Vergeb-lichkeit seines Kampfes gegen diesen Stein des Anstoßes über-zeugen mußte, er ferner doch immer mehr einsehen lernte,daß seine ganze Herrscherlaufbahn eine verkehrte gewesen sei,sein Starrsinn ihm aber unmöglich machte, irgendwie ein-zulenken, so fühlte sich Friedrich Wilhelm mehr und mehr alsein unglücklicher Mann. Die Folgen hiervon blieben natürlichfür die Regierung des Landes nicht aus. Er wurde immermißtrauischer gegen alle Welt, verlor die Entschließungsfähig-keit und wurde, wie es Bähr sehr höflich ausdrückt, immerunliebenswürdiger, wir möchten sagen, immer hämischer undmenschenfeindlicher. Es war daher in Hessen eine ganz all-gemein verbreitete Meinung, daß, wenn man von dein Kur-fürsten etwas erreichen wolle, z. B. die Versetzung oder Nicht-versetzung eines Beamten, man ihm nur das Gegenteil vondem, was man wirklich wollte, auf irgend eine Weise zu Ohrenbringen müsse. Nach diesem Rezepte soll er auch vielfach vonseiner nächsten Umgebung behandelt worden sein. Man stellteihm z. B. vor, daß er dieses oder jenes doch tun werde,was er eigentlich nicht wollte, wobei er aber auf Widerstandgestoßen war, dann konnte man sicher sein, daß er nun aufseiner ursprünglichen Meinung beharrte. So soll z. B. einerseiner Söhne dadurch wesentlich znr zweiten Entlassung Hasseu-pflngs beigetragen haben, daß er seinem Vater gegenüberimmer behauptete, er werde schließlich gegen seinen Willenden bekannten Literarhistoriker A. Vilmar doch znm General-