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snperintendenten ernennen, weil Hassenpflng von dieser Er-nennung sein Verbleiben im Amt abhängig gemacht hattennd er doch ohne diesen nicht auskommen könne. ÄhnlicheErzählungen wurden in Menge im Lande kolportiert. Sietrugen wahrlich nicht dazu bei, das Ansehen des Kurfürstenzu stärken. Dieses litt auch ferner darunter, das; man diemateriellen Interessen des Landes von der Regierung nnddem Kurprinzen zu wenig gefördert sah. Kleinlichste Hinder-nisse wurden namentlich der Industrie in Kassel entgegen-gestellt. Die Geschäftsleute waren oft in der größten Ver-legenheit, weil auf eingereichte Bauanträge keine fürstlicheEntscheidung zu extrahieren war. Daß der Wohlstand desLandes, dessen Steuerkraft allerdings sehr wenig angestrengtwurde, unter solchen Verhältnissen nicht zunahm, läßt sichebenso leicht denken, wie die Zunahme des Mißvergnügensüber diese unfruchtbare Regierung bei dem intelligenterenTeile der Bevölkerung. Dieses spitzte sich naturgemäß vorallem gegen die Person des Herschers zu, dem man mit Rechtalle Hemmnisse zuschrieb.
Aus diesem Grnndcharakter des kurfürstlichen Regimentesentwickelten sich nun von selbst allerlei Konsequenzen, derenrelative Vorteile für das Land Otto Bähr , namentlich im.Hinblick auf spätere Zeiten, kräftig hervorhebt. Patronage-wesen, Eliqncnwirtschaft, Strebertum sei unter dem kurfürst-lichen Regiment nicht vorhanden gewesen; die Ansprüche derkatholischen nnd protestantischen Hierarchie habe der Kurfürstmit seinem festen Willen einzudämmen gewußt. Gewiß allesDinge, die dem Lande zu statten gekommen sind, aber sich beider selbstherrlichen Natur des kurfürstlichen Regimentes vonselbst verstehen. Es lag nicht im Eharakter des Kurfürsten,dankbar für empfangene Wohltaten zu sein nnd sich den Spen-dern derselben und deren Angehörigen darum wohlwollend zuerweisen. Im Gegenteil, er sah alles, was ihm seine Unter-tanen Angenehmes erzeigen konnten, als schnldige Dienstean. Einzelne Männer, die in der Notlage des Jahres
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