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1848 persönlich ihn vor Unbilden geschützt hatten, mochte ernm so weniger leiden, als sich mit ihnen die Erinnerungan unangenehme Auftritte unlöslich verknüpfte. Aber auchauf seine getreuesten und liebsten Diener nahm er durchauskeine Rücksicht. Als er seinen langjährigen Generaladjutantenvon Loßberg in einer hochwichtigen politischen, für diesenauch persönlich sehr bedeutenden Frage hintergangen hatte,soll er auf eine Vorstellung hierüber gesagt haben: „Wenneinen Koup machen wollen, keine Rücksicht auf Loßberg neh-men können." Daß ein Fürst, wie der Kurfürst FriedrichWilhelm , der voll Mißtrauen und Argwohn gegen alleMenschen war, auf jedes Strebertum verächtlich hcrabblickte,läßt sich leicht begreifen. Gegen Menschen, welche, wie dieEunuchen der byzantinischen Zeit, auf jede eigene männlicheÜberzeugung verzichten, nur um sich empor zu bringen, warer schon deshalb eingenommen, weil er so viel Welterfahrunghatte, nm einzusehen, daß sie ihn schließlich doch im Stichelassen würden, sobald er nicht alle ihre Ansprüche erfülle.Seinen Willen in irgend einer Weise binden zu lassen, lagnie in seiner Absicht. Dagegen verfolgte er alle die, welchesich einmal gegen seinen Willen aufgelehnt und seinen In-teressen, wie er sie verstand, entgegengetreten waren, nichtnur bis an ihr Lebensende, sondern auch noch in ihrenKindern mit so dauerhaftem Hasse, daß er manche Familienganz aus dein Lande getrieben hat.
Ein solcher selbstherrlicher, starrsinniger Fürst, dessenganze Regierung fast nur mit Kämpfen gegen die legitimenVertreter seiner Untertanen und der Verfassung des Landesausgefüllt war, konnte sich selbst unmöglich wohl fühlen.Man erzählte sich, daß er seinen Vertrautesten gegenübersich auch gelegentlich als unglücklich bezeichnet habe. Dazutrug noch eine Tat seines Lebens wesentlich bei, welche aufsein Verhältnis zu seinem Lande von verhängnisvollster Be-deutung geworden ist: ich meine seine Verheiratung mit Ger-trude Lehman», gebornen Falkenberg.